fbpx

Zwischen Intimität und Freiheit

„Ich weiß nicht, irgendwie hab ich so meine Schwierigkeiten damit, mein Leben mit jemandem zu teilen – und das nicht nur für ein paar Stunden. Es wirkt beinahe so, als würde mein Kopf zwanghaft nach Gründen suchen, die dagegensprechen. Dabei fühlt es sich eigentlich gut an.“

„Und was machst du dann?“

„Versuchen dem Herz das Ruder zu überlassen. Den Kopf abzudrehen. Der zweifelnden Stimme die Lautstärke zu nehmen. Aber es versetzt mich dann zwischendurch doch in Panik.“


Ich nicke. Zustimmend, verständnisvoll, wissend. Ich habe für diese Situation eben nicht nur Verständnis, sondern sie auch selbst schon erlebt. Des Öfteren, immer wieder mal, auch dann schon, wenn ich mich in sicheren Gewässern zu bewegen dachte.

Man sagt, es ist ein Problem unserer und der nächsten Generation. Die Generation beziehungsunfähig. Die Generation, die Begriffe für zwischenmenschliche Verbindungen sucht und findet, die eigentlich dasselbe bedeuten, aber dem Ganzen die Ernsthaftigkeit nehmen, die die Panik eventuell außen vorlassen. Wir sind die Generation, die die Liebe online findet, Spielchen hasst und dennoch bis zur Perfektion intus hat. Eine Generation, die alles haben und machen kann und der jede Möglichkeit offensteht: Und genau das ist auch das Problem.

Wir wollen Nähe, Zuneigung, geteilte Momente und Erlebnisse. Dieses gute Gefühl konsumieren, aufsaugen, verinnerlichen und eigentlich nicht mehr hergeben, aber sich davon auch nicht eingeengt fühlen. Wir suchen die perfekte Symbiose zwischen für sich und mit jemandem anderen sein. Zwischen Intimität und Freiheit, gemeinsam bis in den Morgen tanzen und trotzdem keine Verpflichtungen in Kauf nehmen müssen. Jedes zu tiefe Gefühl kann Panik auslösen, innerlichen Druck verursachen, selbst wenn wir es nicht wollen, selbst wenn es reine Einbildung ist, haben wir plötzlich das Bedürfnis die Reißleine ziehen zu müssen, bevor es zu spät ist – und verlieren uns damit in einem Teufelskreis ad absurdum.

„Vielleicht liegt der Schlüssel nicht darin, es krampfhaft zuzulassen und deinen Kopf überzeugen zu wollen. Vielleicht ist die Lösung die, dass du dich einfach auf diesen einen Moment besinnst. Auf das gute Gefühl. Den gemeinsamen Augenblick. Es einfach mal passieren lassen und genießen, statt sich all diese Fragen zu stellen, auf die vor allem Außenstehende eine Antwort haben wollen. Vielleicht brauchen wir das Es ist was es ist und nicht das Was könnte es sein und am Ende erklärt es sich von selbst.“

„Du meinst im Moment leben?“

Ich schnaufe grinsend. Statt einer Antwort trinke ich den letzten Schluck meines eigentlich schon leeren Weins aus: „Noch eine Runde?“

Related Posts

Logo - Over The Top by Chris - Storyblog