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Wie es ist PMS zu haben

Prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet komplexe körperliche und emotionale Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, die vier bis vierzehn Tage vor dem Eintreten der Regelblutung in jedem Monatszyklus einer Frau auftreten können und mit Beginn der Regel aufhören.

(Quelle: Wikipedia)

Es ist ein Tag wie jeder andere. Ich gehe mit Paul Gassi, anschließend geht es ins Büro, mittags treffe ich mich mit einer Freundin zum Essen, nachmittags komme ich immer noch gut mit der Arbeit voran. Und doch fühlt sich mein Herz schwer an. Atmen ist irgendwie anstrengend. Eine nicht ganz so freundlich formulierte Email bringt mich innerlich fast zum Explodieren. Ich beende den Arbeitstag früher als geplant, eile nach Hause, setze mich auf die Couch. Und fange plötzlich an zu weinen. Und ich hab nicht den leisesten Schimmer, wieso meine Gefühle gerade so mit mir durchgehen.

Die Liste der physischen und psychischen Symptome von PMS ist lang und beinhaltet vor allem viel mehr als nur die Sehnsucht nach fettem Essen und einer recht dünnen Haut. Ohne Statistiken recherchiert zu haben, würde ich meinen das die gängisten Emotionen tatsächlich Rastlosigkeit, grundloses Weinen, Reizbarkeit und Überforderung sind – gemixt mit etwas Aggressivität, jedenfalls konnte ich das nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Freundinnen in Gesprächen feststellen. Körperlich gesehen kommen bei mir in der Zeit auch noch Unreinheiten, Erschöpfungssymptome und Verspannungen hinzu.

Ich starre abwechselnd auf den großen Bildschirm vor und die To Do Liste neben mir. Seit zwei Stunden sitze ich am Schreibtisch in meinem Büro und konnte erst einen Punkt meiner heutigen Aufgaben abhaken – und das war das Shooting direkt davor, welches ich aber auch nicht absagen hätte können, weil ausgemacht. Die Bilder sind dennoch eher so lala geworden, zumindest bin ich nicht wirklich zufrieden damit. Generell bin ich gerade einfach unzufrieden, unrund, ungeduldig. Ich will schreien und mich in einer dunklen Ecke in Embryostellung verkriechen und versuchen meiner Rastlosigkeit Einhalt zu gebieten. Und ich habe keine Ahnung, warum ich gerade so fühle.

Ich traue mich fast meine Hand dafür ins Feuer zu halten, dass jede Frau in meinem Umfeld schon irgendwann mal gefragt wurde, ob sie ihre Periode kriegt, wenn sie mal etwas schnippischer reagiert hat. Und eigentlich sollte man es nicht sagen müssen, aber die einzig richtige Antwort auf diese Frage ist: Geh schei*en, Oida. Selbst wenn es nämlich so ist, tut man weder sich noch der Person gegenüber einen Gefallen, diese Frage zu stellen. Zum Einen weil nicht jede Stimmungsschwankung sich auf PMS zurückführen lassen kann, zum Anderen weil es aber schon so sein kann und der Fragesteller (weil meist männlich, leider ein bestätigtes Klischee) keine Ahnung davon hat, wie es ist PMS zu haben.

‘Was ist los?’ Wie eine Wahnsinnige tippe ich einen ewiglangen Absatz in das WhatsApp-Chatfenster – angetrieben von der Wut und dem Unverständnis über meine eigene Dummheit. Ich bin so sauer, dass ich fast kotzen könnte. Was ich im metaphorischen Sinne auch gerade mit einem Wortschwall mache. Mein Kopf ist voll von Schimpfwörtern und Flüchen, die ich während dem Schreiben auch selbst vor mich hinsage. ‘Ich pack mein Leben grad nicht‘ ist der letzte Satz, den ich abschicke. Die Antwort kommt keine zwei Sekunden später: ‘Ok, versuch erstmal tief durchzuatmen, du weißt aktuell gar nicht ob es so ist’. Ich weiß das sie recht hat, auch wenn ich es eigentlich in dem Moment nicht hören will. Ich verstehe selbst nicht, weshalb mich eine reine Vermutung auf über 180 gehen lässt. Ein Blick auf den Kalender erklärt wenigstens einen Teil meiner Reaktion. Eine Stunde später ist die Wut wie verflogen und ich tippe noch eine Nachricht: ‘Kommando retour. Eventuell habe ich mich geirrt. Und ich bekomm bald meine Tage. FML‘.

Die Wahrheit ist: Es ist scheiße und furchtbar und anstrengend und wir Frauen wissen das. Ganz ehrlich, wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne darauf verzichten (vermutlich jede Frau würde das), es macht nämlich wirklich keinen Spaß, wenn man innerhalb einer Minute (und das teilweise grundlos) von himmelhochjauchzend plötzlich zu zu Tode betrübt wechselt. Es gibt auch bis dato kein richtiges Gegenmittel dafür – ja, es kann beispielsweise mit einer Ernährungsumstellung besser werden, aber ganz ehrlich? Genau dann sind die Cravings nach Schokolade, Burger und Alkohol am stärksten und noch ehrlicher: Ich bin damit als Lösung bisher ganz gut gefahren. Bei Freunden sudern, sich auf einen (oder zwei) After Work Drinks treffen oder sich eine absolut kitschige RomCom reinziehen. Und vor allem durchatmen, die Emotionen auch zulassen, aber eben nicht kopfvoraus gegen eine Wand rennen.


Disclaimer: Das hier sind meine persönlichen Erfahrungen und Recherchen und meine Meinung. Ich bin keine Ärztin und bei Fragen oder Problemen, solltet ihr euch natürlich IMMER an diese wenden.

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