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Von großen und kleinen Veränderungen

Frühjahr 2012

Der Entschluss steht fest. Im Sommer ziehe ich nach Wien. Die Stadt, dich ich anfangs so verschmäht und der ich bewusst den Rücken gekehrt habe, hat mich mit einem Mal so gepackt, dass ich den Tag des Umzugs gar nicht mehr erwarten kann. Weg aus Tirol, wirklich weg aus Vorarlberg. Die Aufregung und Vorfreude überwältigt mich fast, Freunde und Familie sind schon etwas genervt und ich spüre, wie ich noch mehr Austausch brauche. Ich will es hinaus in die Welt schreien – oder viel mehr schreiben, nachdem ich das schon mein Leben lang getan habe. Ich mache also etwas, was zu diesem Zeitpunkt weder Trend, noch Gang und Gebe oder gar Teil eines Berufs ist: Ich erstelle einen Blog.

Sommer 2014

Ich führe das, was man einen Lifestyleblog nennt. Und probiere ganz viel aus – Themen, die nicht wirklich zu mir passen, die ich gern austesten möchte, die mich aus meiner Komfortzone zwingen. Beauty, Fashion, Food – nichts ist vor mir sicher. Erste Einladungen und Kooperationen trudeln in mein Postfach. Ich verdiene das erste Mal Geld mit meinem Blog, beschäftige mich zunehmend mit der Materie und entdecke, welche Seiten davon mir wirklich Spaß machen. Nebenher habe ich auch das Glück dadurch in eine Berufswelt einzutauchen, die ich bisher nicht wirklich am Schirm hatte: Online Marketing.

Frühjahr 2016

Ich bin offiziell kein Kleinunternehmer mehr – sagt zumindest die Umsatzsteuer, die jetzt immer Teil meiner Rechnungen ist. Inzwischen habe ich meinen Platz in dieser riesigen Onlinewelt schon gefunden, zumindest was den Blog angeht. Hier finden sich keine Beautytutorials mehr oder Fashiontrends der neuen Saison. Ich hab das in den Fokus gestellt, was mir schon immer am Wichtigsten war: Den Text. Kolumnen, Realtalk, Geschichten – kombiniert mit gängigen Lifestylethemen, die mich interessieren und beschäftigen. In meinen Texten steckt mein Herzblut, kein Beitrag geht ohne eine Story online, jedes Posting ist ein Teil von mir. Das Schreiben zieht mich so sehr in den Bann, dass ich endlich mit meinem eigenen Roman beginne. So gut es geht versuche ich alles unter einen Hut zu bringen: Teilzeitjob, Vollzeitstudium, Vollzeitarbeit als Blogger, Roman, Social Life. Wenige Monate später merke ich: Das geht sich nicht aus. Nach langem hin und her beende ich mein Studium vorzeitig.

Sommer 2018

Ich will es nicht zugeben, aber eigentlich bin ich ausgebrannt. Eigentlich fühlt sich gerade alles nur mehr nach einer Pflicht an und nichts mehr nach Leidenschaft, Spaß und Gefühl. Ich finde es immer noch großartig, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte – nie hatte ich geplant, mich jemals selbstständig zu machen und noch weniger hätte ich mir erträumen lassen, dass es »einfach so« passiert, mit dem, was ich gern mache. Immer noch muss ich mir wieder und wieder vorhalten »das ist jetzt dein Job«. Mein Roman liegt auf Eis, wenn ich die Muse zum Schreiben habe, muss es für den Blog sein. Mein Studium ist schon längst vergessen. Social Media wird immer mehr Teil von meinem täglichen Business und ich arbeite auch als Freelancer in diesem Bereich.

Frühjahr 2019

Ich bin müde, traurig, gezeichnet vom Vorjahr – 2018 war gefühlt nicht unbedingt mein Jahr, auch wenn so viele gute Dinge passiert sind. Ganz vorne mit dabei: Die Entscheidung im Herbst, nur noch als Blogger zu arbeiten. Keine anderen Freelanceaufträge, keinen Content für Unternehmen erstellen, kein Social Media, kein Influencer Marketing. Vielleicht wieder am Roman arbeiten. Ich weiß nicht, ob es sich gut anfühlt – generell ist meinen Emotionen gerade nicht zu trauen, aber ich will es dennoch probieren. Einfach mal nur Blogger sein, mit allem was dazu gehört.

Sommer 2019

Ich habe ständig das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Wenn ich einen Tag nichts arbeite, habe ich ein schlechtes Gewissen. Nicht nur das – Dinge, die eigentlich zum Job eines Bloggers gehören, lassen mich unrund werden. Events besuchen, netzwerken, fotografiert werden, alle Social Media Kanäle rund um die Uhr bedienen, selbst interagieren und Wachstum fördern, Verhandlungen führen, Akquise, Buchhaltung und und und. Und insgeheim weiß ich bereits, was ich nicht aussprechen möchte: Der Job des Bloggers (oder inzwischen viel mehr Influencers) erfüllt mich nicht mehr so richtig. Ich will mehr, ich will schreiben, mich abseits der To Do’s eines Einzelunternehmers kreativ entfalten können, Kooperationen nicht absagen müssen, weil sie nicht rentabel oder unbezahlt sind und ich nicht genügend Ressourcen dafür habe. Ich will etwas verändern. Und genau das mache ich auch.

Herbst 2019

Ich wollte nie wieder angestellt sein, ich wollte nicht mehr in einer Agentur arbeiten. Und jetzt bin ich angestellt als Head of Digital bei der kreativen Digitalagentur Constant Evolution. Warum das zwar die schwerste, aber mitunter die beste Entscheidung in diesem Jahr war, hört ihr hier:

Was ein halbstündiges Interview mit Lisa Centeno von business basics werden sollte, wurde ein einstündiges Gespräch mit einer Freundin über kleinen und großen Veränderungen der letzten Monate in unserer beider Leben. Vielen Dank für deine immer guten Ratschläge, den Input und deine Arbeit – in den letzten drei Jahren bei Constant Evolution und jetzt bei business basics. #stolzwienemutter

Solltet ihr es noch nicht tun, folgt Lisa auf Instagram, Spotify und Itunes.
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