SUB Sunday: Vom Ende der Einsamkeit

5. Februar 2018

Die letzten Wochen und Monate meines Lebens lassen sich vermutlich vor allem mit einem Wort beschreiben: Stress. Ob durch Arbeit, die Feiertage oder auch meinen nicht ganz so hervorragend getimten Umzug direkt vor meiner Reise nach Kambodscha. In der Zeit habe ich weder wirklich die Muße gehabt zu schreiben, noch zu lesen – insbesondere für Letzteres habe ich nicht nur keine Zeit gefunden, sondern auch keine Motivation. Weswegen der erste Beitrag zum Projekt SUB Sunday, das ich vor zwei Jahren mit Katii ins Leben gerufen habe, auf den ersten Blick eher mager ausfällt: Ich habe es gerade mal geschafft ein Buch zu lesen. Ein Buch, welches mir übrigens mit den Worten „Das wird dein neues Lieblingsbuch“ empfohlen wurde – no pressure also.

Und, was soll ich sagen? Es hat mich tatsächlich umgehauen, weswegen ich im Nachhinein betrachtet froh bin, dem Roman einen ganzen Beitrag allein schenken zu können.

vom ende der einsamkeit

“Das Leben ist kein Nullsummenspiel.
Es schuldet einem nichts, und die Dinge passieren, wie sie passieren.
Manchmal gerecht, so dass alles einen Sinn ergibt, manchmal so ungerecht, dass man an allem zweifelt.

In Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells folgen wir dem Leben von Jules und seinen beiden Geschwistern, deren Eltern bei einem Autounfall umkommen. Ein Schicksalsschlag, der sie ihr ganzes Leben lang begleitet und nicht loslässt. Wir erleben ihre Höhen und Tiefen, Sinneskrisen und Veränderungen, Neuanfänge und Verluste. Das Leben mit all seinen Facetten, ohne kitschiger Ausschweifungen und unnötigen Details.

Ich bin nicht nur ein sehr kritischer Schreiber, ich bin vor allem auch ein kritischer Leser. Selten (oder bis dato eher noch gar nicht) treffe ich auf einen deutschen Autor, der mich allein von seinem Schreibstil so überzeugt, dass ich nicht anders kann, als das Buch bereits nach den ersten Seiten zu lieben – selbst wenn es sich dabei um ein Genre und Thema handelt, das mir sonst nicht so sehr liegt. Gerade deutsche Gegenwartsliteratur beäuge ich wirklich immer sehr, sehr kritisch. Und doch: Wells hat nicht nur ein großartiges Talent dafür, die richtigen Worte zu wählen. Er begreift auch bestens die Notwendigkeit, die alltäglichsten Dinge besonders zu beschreiben. Vom Ende der Einsamkeit beherbergt so viel Melancholie und wird dennoch nie zu schwer, es verbindet Trauer und Glück mit Leichtigkeit, hat Anspruch und fordert und wird dabei allerdings nie anstrengend. Ich gebe es zu: Mir fehlen irgendwie immer noch die passenden Worte, um meine eigenen Emotionen nach dem Lesen richtig zu verpacken. Außer: Ganz klare Empfehlung, ganz großes Kino. Es reiht sich tatsächlich in die kurze Liste meiner Lieblingsbücher mit ein, Chapeau und vor allem danke für den Tipp.

vom ende der einsamkeit

“Ich zog dem Schicksal die Maske vom Gesicht
und fand darunter nur den Zufall.

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