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Outfit: Basorexia

Eigentlich sollte dieser Text von etwas ganz anderem handeln – von meinen aktuellen Wünschen und Träumen und diesem Drang einem Plan nachzugehen, der sich eigentlich schon vor fast zwei Jahren in meinem Kopf manifestiert hat. Doch dann habe ich die Fotos von dem Shooting nochmal durchgesehen; ein Shooting, welches bereits vor über einem Monat stattgefunden hat, welches nicht wirklich so rund gelaufen ist und dafür gesorgt hat, dass ich etwas schlechter gelaunt zurück ins Büro bin, als eigentlich geplant.

Und dennoch beiße ich mir unweigerlich auf die Unterlippe beim Anblick der Fotos, mit denen ich nicht meine schlechte Laune tagsüber verbinde, sondern einen verdammt guten Abend und einem richtig guten Kuss.


„Hast du Bock auf einen After-Work-Drink? Den könnte ich heute gut gebrauchen…“
„Für After-Work-Drinks bin ich immer zu haben! Wo und wann?“


Wir plaudern über Gott und die Welt, darüber warum ich an diesem Tag unbedingt einen Drink gebraucht habe, welche Musik wir gerne hören und wie nett das Pub ist, welches wir für unser Treffen ausgewählt haben. Aus einem Drink werden zwei und irgendwann sitzen wir so dicht nebeneinander, dass an unserem Tisch locker nochmal fünf Personen mehr Platz hätten. Du erzählst von einer durchzechten Festivalnacht mit deinen Freunden und man sieht dir an, wie gern du dich an diesen Abend erinnerst. Ich lache über das Ende deiner Anekdote und hab das ungute Gefühl des Tages schon längst hinter mir gelassen. Wir blicken uns an. Ein, zwei Momente sagt niemand was, weil beide wissen, was im Kopf des jeweils Anderen gerade vorgeht. Bevor ich meinen Blick senken und nach meinem Bier greifen kann, nimmst du mein Gesicht zwischen deine Hände, grinst noch einmal kurz und machst dann den Schritt, den wir beide überlegt haben zu gehen.

Basorexia (n.)
– the overwhelming
desire to kiss

Es gibt so viele verschiedene Arten von einem Kuss: Der schüchterne erste – vorsichtig und zaghaft vorantastend -, der wilde und manchmal betrunkenen um 2 Uhr morgens, der eher schlechte ohne passende Chemie zwischen den Beteiligten, der harmlose ohne Hintergedanken auf die Wange und dann eben auch der richtig gute Kuss, der zum perfekten Zeitpunkt kommt und aus dem definitiv mehr als nur einer wird, der von unschuldig zu leidenschaftlich wechseln kann und ohne Generalprobe funktioniert und an den du auch gerne zurückdenkst, weil du dich zu gerne an dieses gute Gefühl zu diesem Zeitpunkt erinnerst.

Statt also an geplante Träume und mögliche Ziele zu denken, wenn ich die Fotos von diesem Tag betrachte, erinnere ich mich lieber an diesen Abend, an diesen guten Moment, diesen Kuss. Und daran, dass es vielleicht wieder mal Zeit für einen After-Work-Drink wäre.

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