Vom Schutz­mechanismus der Selbst­verleugnung

26. November 2018

Seit einer Ewigkeit starre ich auf das virtuelle weiße Blatt Papier, das leere Dokument mit dem blinkenden Cursor. Meine Hände liegen auf der Tastatur, ich beginne zu tippen und dann zu löschen. Tippe wieder, lösche erneut. Schließe das Dokument, nur um es ein paar Tage später wieder zu öffnen. Wieder zu starren. Erneut zu schließen.

Ein Teufelskreis, der sich jetzt schon seit gut drei Wochen hält. Dieser Text hatte schon 3 andere Titel, 5 verschiedene Anfänge, und behandelte irgendwie lauter unterschiedliche Themen, die im Endeffekt alle auf eines zurückführen lassen:

Ich bin ein Meister der Selbstverleugnung.

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

Nicht nur das. Ich bin auch ganz großartig darin, alles runterzuspielen. Vor allem wenn es um die Liebe geht. Ich will immer einen Ticken zu cool bleiben. Will nie zu viel von mir Preis geben und gehe lieber zwei Schritte zurück, als einen womöglich zu riskanten Schritt nach vorne. Es ist eine Art Schutzmechanismus, den ich mir die Jahre zuvor bereits angeeignet habe. Ich fühle schon immer zu viel, zu intensiv, zu inbrünstig. “Ich bin ein Herzmensch. Ich steh auf das Gefühl, das Herzklopfen, welches eigentlich keinen Sinn ergibt.” – und musste aufgrund dieser Tatsache auch schon mehr als einmal einstecken. Ich wurde angelogen, betrogen, im Stich gelassen; die ganze Bandbreite eben. Und wenn du jemand bist, der sich grundsätzlich zu 100% einer Sache verschreibt und alles mit jeder Faser seines Körpers spürt, fällst du nochmal eine Spur tiefer als alle anderen.

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

Ja, ich bin immer wieder aufgestanden, hab es verarbeitet und weitergemacht, daraus gelernt und – und hier kommt der springende Punkt, der mich im Grunde genommen doch noch verfolgt – meine Konsequenzen daraus gezogen, die sich eben so manifestieren, dass ich meinem Kopf inzwischen immer den Vortritt lasse. Ich verstecke aufkommende Gefühle hinter rationalen Analysen, sachlichen Gesprächen und ausdauerndem Fluchtverhalten (und bin eben verdammt gut darin). Das funktioniert solange gut, insofern es darum geht meinen besten Freunden in Liebes- und Lebensfragen zur Seite zu stehen und sie bei diesbezüglichen Entscheidungen zu beraten. Aber eben nicht, wenn ich eigene Gefühle anerkennen muss oder sie gar laut auszusprechen versuche. Hier sitze ich also: Jemand, der grundsätzlich nie einer direkten Konversation aus dem Weg geht, immer mutig und ehrlich sein will und jeden Kampf austrägt, egal wie laut und schwer – und versage in diesem Punkt jedoch kläglich dabei.

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

Das Problem an der Sache ist: Das Leugnen hat in der Vergangenheit eben doch recht gut funktioniert. Nicht umsonst bin ich Meister darin und bekannt dafür, generell nichts zu sehr an mich ranzulassen und alles immer nochmal zu überdenken und auseinander zu nehmen, bevor ich reagiere. Ja, ich liebe es mich zu verlieben, verrückt zu sein, leidenschaftlich und laut – das war auch nie mein Problem. Es ist das Eingestehen, das Aussprechen und Zugeben, das Vertrauen zu haben nicht verletzt zu werden. Nein, mehr noch: Keine Angst davor zu haben, das es passiert. Zu springen, auch wenn die Möglichkeit besteht zu scheitern. Nicht vernünftig zu sein, sondern dem Impuls des eigenen Herzens Folge zu leisten egal wie vielen Warnschildern du dabei begegnest und wie viel Panikattacken dich in der Nacht wach halten und wie viele ‘was wäre wenn’ dich in den Wahnsinn treiben. Ich bin dem Ganzen nicht nur aus dem Weg gegangen, ich habe es gekonnt vermieden in diese Situation überhaupt zu kommen – bis ich davon unerwarteterweise überrumpelt wurde.

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

Seit einer gefühlten Ewigkeit starre ich auf das geöffnete Fenster in deinem Zimmer, versuche meinen Puls unter Kontrolle zu kriegen, die aufkommende Panik wegzuatmen, den Kopf freizukriegen. Ich höre, wie dein Atem langsamer geht – kontrollierter, beinahe beruhigend. Du bist kurz davor in den Schlaf wegzudriften, ziehst mich noch näher an dich ran und küsst mich auf die Stirn. “Ich finds schön, dass du hier bist”, meintest du wenige Momente zuvor – ohne zu wissen, wie entwaffnend das für mich war und was es in Gang gebracht hat. Ich warte noch einen Atemzug länger ab, dann zwei, dann drei; wissend, dass du jedes meiner nächsten Worte hören und wahrnehmen wirst. Und dann spring ich.

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

outfit-beanie-cos-rot-herbst-denise-steiner

Related Posts

2 Comments

  • 2 Wochen ago

    Ich mag diese Art Beiträge von dir wirklich gerne! Viele der Gedanken, welche du niedergeschrieben hast, haben wirklich mit mir resoniert und zum Denken angeregt :)

  • 2 Wochen ago

    Wunderschön. Du schreibst mir so aus dem Herzen. Bitte hab nie Angst so was zu veröffentlichen. Es wäre furchtbar, für die Welt für mich, wenn es deine wundervollen Texte nicht geben würde. Danke dafür!

Leave A Comment