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Die Wahrheit über das Leben mit Hund – 6 Fragen zu Jack Russell Paul

Unter mir spüre ich den kühlen Fließenboden meiner Küche, rau und noch etwas feucht, weil ich gerade ein weiteres Malheur aufwischen musste und mich dann einfach fallen gelassen habe. Ich bin müde, fühle mich ausgelaugt, bin fertig mit den Nerven. Neben mir schläft der kleine Welpe Paul endlich seelenruhig – keiner würde meinen, dass dieser Zwerg vor ein paar Momenten noch lauthals Trubel gemacht hat. Eine Weile lang betrachte ich ihn, komme nicht umhin zu bemerken, wie süß er wirklich ist. Und doch… Mit zitternden Händen nehme ich mein Handy in die Hand und tippe langsam die Worte, die ich mich bis dato nicht getraut habe auszusprechen. Ich weiß nicht, ob das mit dem Hund die richtige Entscheidung war. Bevor ich es mir anders überlegen kann, schicke ich die Nachricht ab. Keine zwei Minuten später klingelt mein Telefon und beim darauffolgenden Gespräch schießen mir etwas die Tränen in die Augen – weil ich genau das gesagt bekomme, was ich in dem Moment hören muss.

“Ein Hund – vor allem ein Welpe – ist kein Zuckerschlecken. Es ist ein Lebewesen, das von Anfang an deine volle Aufmerksamkeit braucht und es dauert einfach seine Zeit, bis ihr zu einem eingespielten Team werdet. Ein Welpe ähnelt am Anfang einem Baby. Du musst nicht nur die Fütterung übernehmen, du musst ihm auch Dinge lernen und beibringen. Du brauchst Geduld und starke Nerven, dir wird es anfangs an Schlaf mangeln und du wirst immer wieder an den Punkt kommen, an dem du das Gefühl hast, du machst alles falsch. Du wirst manchmal schreien – auch wenn dir jeder Ratgeber das Gegenteil empfiehlt -, du wirst vielleicht mal weinen, du wirst immer wieder auch mal das Handtuch werfen wollen. Aber das Ding ist: Es wird immer besser. Du wirst dieses kleine Fellknäuel in dein Herz schließen und wirst so viel Freude darüber empfinden, dass der Zwerg in dein Leben gekommen ist. Du wirst sehen, was er für Fortschritte macht und wirst Spaß dabei haben, ihm neue Sachen beizubringen. Du wirst ihn immer besser kennenlernen und er auch dich. Es ist ganz normal Zweifel zu haben, es ist ganz normal es auch mal in Frage zu stellen. Genau dafür gibt es andere Hundebesitzer, mit denen du dich austauschen kannst und die dieselben Probleme und Gedanken haben. Aber alles in allem, wirst du es nie wirklich bereuen. Gut, außer wenn er dann in der Pubertät ist.”

Ich wusste immer schon, dass ich irgendwann mal einen Hund haben werde. Das war einfach seit ich denken kann ein Wunsch von mir. Ein Wunsch, den ich mir vor knapp 3 Jahren mit dem Rauhaar Jack Russell Paul selbst erfüllt habe und den ich grundsätzlich auch nie rückgängig machen wollte. Aber – und so viel Ehrlichkeit muss sein und ist auch vollkommen ok – es gab besonders anfangs sehr viel Momente, die mich an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Ein Hund ist einfach sehr viel mehr Arbeit als beispielsweise eine Katze und braucht auch ganz andere Aufmerksamkeit, weshalb man sich diesen Schritt einfach wirklich gut überlegen muss. Aktuell kann ich mir ein Leben ohne Paul gar nicht mehr vorstellen, uns gibt es nur im Doppelpack (ja, crazy dog mom alert) und er ist auf meiner Prioritätenliste ganz weit oben. Nein, ich gehöre jetzt nicht zu den Hundebesitzern, die ihr ganzes Leben nach dem Fellknäuel ausrichten, aber natürlich ändern sich Gewohnheiten und der Alltag mit dem Einzug eines Hundes. Ich mache sicher nicht alles richtig, ich arbeite eigentlich nicht wirklich nach Lehrbüchern, es gibt auch Wochen, da kommt Paul etwas zu kurz, weil es einfach nicht anders geht. Aber ich hab inzwischen eigentlich ziemlich gut rausgefunden, wie ich alles am besten handhabe und genau zu diesem Thema konntet ihr mir vor Kurzem wieder Fragen auf Instagram stellen.


Wie hast du herausgefunden, welcher Hund zu dir passt?

Das hab ich eigentlich nie wirklich. Ich wusste nur, dass ich meinen Ersthund nicht aus dem Tierheim holen würde. Ich weiß, das Thema ist immer etwas schwierig und versteht mich nicht falsch: Es gibt so viele großartige und süße Hunde, die es so sehr verdient haben ein liebevolles Zuhause zu haben. Und vermutlich würde ich in Zukunft auch eher adoptieren, aber zum Einen wollte ich bei meinem ersten Hund Teil seines ganzen Lebens sein und zum Anderen war es mir wichtig, zu wissen wie groß er zum Beispiel wird und was er vorher erlebt hat. Ich habe mir damals nicht zugetraut, dass ich einen Hund in meine Obhut nehme, mit dem sehr viel ge- und verarbeitet werden muss und nachdem meine Wohnung nicht die Größte ist und ich auch oft nach Vorarlberg fahre, wollte ich einen kleinen Hund haben. Das war der Grund, wieso ich mich für eine gezüchtete Rasse entschieden habe. Es gab mal eine Zeit, da wollte ich unbedingt einen Mops haben – bis ich dann einen kennengelernt und öfters gesehen habe. Dann wollte ich einen Beagle oder einen Dackel.

Die Wahrheit ist: Ein Dackel hätte vermutlich sehr gut zu mir gepasst, allein schon wegen der Tatsache, dass sie nicht unbedingt die Sportlichsten unter den Hunderassen sind. Mein damaliger Freund hatte aber (natürlich) Mitspracherecht und wollte unbedingt einen Hund, mit dem er beispielsweise auch Laufen gehen kann. Zu dem Zeitpunkt hatte Nina schon ihren kleinen Tobi und das war auch das erste Mal, dass ich mit der Rasse Rauhaar Jack Russell in Berührung gekommen bin. Ich war davor nie wirklich ein Fan von Jack Russell, weil mich die ganzen Klischees und Vorurteile gegenüber der Rasse abgeschreckt haben. Aber durch Nina bzw. Tobi habe ich bemerkt, dass es zwar schon einzelne Züge gibt, die rassebedingt vorhanden sind, aber jeder Hund dennoch einen ganz eigenen Charakter hat. Und wie der Zufall es wollte, hatte die Züchterin damals gerade einen neuen Wurf und dann hat einfach Eines zum Anderen geführt. Und ja: Tobi und Paul sind verwandt miteinander (Cousins) und ziemlich genau ein Jahr auseinander – Paul wird im Mai 2019 drei Jahre alt.

Wie war das bei Paul mit der Stubenreinheit?

Grundsätzlich ist das bei jedem Welpen ja anders. Manche lernen gleich, dass sie sich melden müssen bzw. sieht man die Anzeichen für einen benötigten Freigang, andere melden sich gar nicht – Paul war so ein Fall. Es gab am Anfang sehr viel Lackerl in der Wohnung und er hatte auch eine besondere Vorliebe für seine Hundebetten, weswegen ich die recht schnell aus unserem Alltag verbannt habe (so viel dazu, dass ein Hund nicht dorthin macht, wo er sein Nest hat, Paul hat das eigentlich sogar bevorzugt). Glücklicherweise hat er zumindest von Anfang an quasi durchgeschlafen, wobei wir die letzte Runde immer nach 23:00 Uhr gemacht haben und die erste sobald er wach war – was sehr lange punkt 06:30 Uhr war. Ansonsten haben wir uns ca. alle zwei Stunden auf den Weg nach draußen gemacht, vor allem immer nach jeder Tätigkeit: Nach dem Fressen, nach dem Schlafen, nach dem Spielen, nach dem Nichtstun. Immer eigentlich.

Anfangs immer an dieselbe Stelle direkt in der Nähe der Haustüre und später dann immer kombiniert mit einem kleinen Rundgang um den Block. Und wenn etwas stimmt, dass in allen Hunderatgebern genannt wird: Um deinem Hund verständlich zu machen, dass er draußen sein Geschäft erledigen soll, musst du bei erfolgreicher Durchführung die größte Party ever veranstalten. Keine Sorge, nach dem 10. Mal ignoriert man auch die merkwürdigen Blicke von vorbeikommenden Passanten und irgendwann feierst du es tatsächlich, wenn er draußen auf’s Klo geht. Es kommt dann übrigens trotzdem noch öfters vor, dass er reinmacht – selbst wenn er schnell checkt, dass er es eigentlich nicht darf (und deswegen gilt hier auch: man sollte wirklich nicht mit ihnen schimpfen, wenn es passiert). Ich glaube mich zu erinnern, dass Paul mit ca. 4 Monaten eigentlich stubenrein war, aber erst als er ca. 6 Monate alt war, hab ich dafür auch die Hand ins Feuer gelegt. Aber selbst dann gab es noch Situationen, wo es doch mal vorgekommen ist.

Warst du mit Paul in der Hundeschule?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich mit Paul zur Hundeschule gehe – vor allem auch deswegen, weil ich selbst noch am meisten zu lernen hatte. Und ich rate es auch generell jedem, mindestens einen Welpen- und/oder Alltagskurs zu machen. Die Welpenschule war bei uns leider eher ein Fehlgriff, auch wenn der Zwerg den größten Spaß dort hatte, da es eher einem Hundekindergarten glich. Umso besser war dann der Alltagskurs, den wir bei School of Dog gemacht haben, als Paul etwa ein Jahr alt war. Zusätzlich sollte man dann natürlich auch außerhalb des Kurses mit dem Hund üben, besonders dann, wenn es um Rückruf und Leinenführigkeit geht. Gerade das Thema Freilauf hat bei uns sehr lange gedauert, insbesondere während der Pubertät war Paul wirklich der klassische freche Lauser, der nur Flausen im Kopf hatte und alles lieber gemacht hat, als auf Befehl zu mir zu kommen. Inzwischen ist er aber was das angeht wirklich extrem vorbildlich und es gibt nur noch selten Ausrutscher. Hier muss aber auch dazu gesagt werden, dass Paul so gut wie gar keinen Jagdtrieb hat – im Gegenteil, er ist (und das muss ich als Landkind leider zugeben) ein absoluter Stadthund und scheißt sich vor sehr vielen Dingen an und achtet immer darauf, wo sein Rudel ist und verlässt selten den vorgegebenen Weg. Nichtsdestotrotz wird er (gerade bei Wanderungen) immer angeleint, wenn sich eine Situation auftut, wo sich sein Jagdinstinkt melden könnte (Betonung auf könnte).

Wie ernährst du deinen Hund?

Wenn er die Erlaubnis hätte, würde Paul alles fressen. Teilweise hat er das sogar schon (er hat eine Vorliebe für Bepanthen Creme, wie ich einmal feststellen musste). Anfangs habe ich darauf geachtet, dass er getreidefreies Futter bekommt und eigentlich immer das von Lukullus genommen. Als er dann Gastritis bekommen hat und vermutet wurde, dass er Rind nicht so gut verträgt, habe ich mich bzw. ihn durch alle möglichen Sorten von Hundefutter probiert: Vom Luxusfutter, über selbstgekocht, bis hin zur Eigenmarke von Rewe. Und, was soll ich sagen, am besten verträgt er die Eigenmarke von Billa/Merkur bzw. das Nassfutter von Cesar und das bekommt er aktuell auch. Dazwischen gibt es auch immer wieder mal selbstgekochte Speisen und natürlich Sachen zum Kauen und Leckerlis.

Hat er sich nach der Kastration verändert?

Generell gilt: Das Thema Kastration muss bei jedem Hund individuell betrachtet werden und es muss auch jeder Besitzer selbst entscheiden. Paul hatte eigentlich nie Probleme mit anderen Hunden – egal ob Rüde oder Weibchen, ob kastriert oder unkastriert. Was er aber hatte war Liebeskummer, besonders dann, wenn viele läufige Hündinnen in unserem Grätzl unterwegs waren. Zu diesen Zeiten konnte man mit ihm nicht mal mehr normal Gassi gehen, weil wir keinen Meter machen konnten, ohne das er seine Nase nicht irgendwo vergraben hat und zuhause hat er dann teilweise sogar angefangen rumzuheulen. Außerdem hat er dann auch jeden – und ich meine wirklich JEDEN – Hund bestiegen. Egal ob das eine riesige Dogge war oder ein kleiner Zwergspitz. Aus diesem Grund habe ich nach dem Gespräch mit zwei verschiedenen Tierärzten mich dafür entschieden, ihn kastrieren zu lassen. Hätten wir am Land gewohnt, wäre das aber übrigens nicht passiert, aber mit der Hundedichte in Wien war es einfach notwendig. Vom Wesen her hat er sich überhaupt nicht verändert, aber der Liebeskummer hat fast sofort aufgehört und auch das Aufreiten hat ein Ende genommen. Komischerweise macht er das nur noch bei Tobi – woran das liegt, wissen weder Nina, noch ich.

Wie bringst du die Arbeit und den Hund unter einen Hut?

Ehrlich gesagt, frage ich mich selbst, wie Menschen das machen, die nicht selbstständig sind oder die Möglichkeit haben, den Hund mit ins Büro zu nehmen (oder sich die Zeit zumindest frei einteilen können). Paul ist bei mir eigentlich immer im Büro mit dabei bzw. bleibt auch mal dort, wenn ich zwischendurch einen Termin habe. Ansonsten lass ich ihn auch mal daheim, wenn ich weiß, dass ich nur wenige Stunden unterwegs bin. Auf Reisen versuche ich ihn, wenn es geht und es für ihn nicht zu viel Stress bedeutet, mitzunehmen. Ansonsten gibt es in Wien sehr viele liebe Menschen, die auch mal auf ihn aufpassen – meine Familie miteingeschlossen. Das ist auch ein Punkt, den man sich vor der Anschaffung eines Hundes ansehen muss: Habe ich jemanden in der Nähe, der zur Not einspringen kann? Und das aber nicht nur für wenige Stunden oder einen Gassigang, wenn ich mal richtig krank bin, sondern auch mal für mehrere Tage? Mein Alltag würde definitiv nicht so passieren können, hätte ich nicht diese Menschen um mich bzw. müsste ich mich sehr viel mehr nach meinem Hund richten und das ist mir nicht nur vollends bewusst, sondern dafür bin ich auch wirklich extrem dankbar (also hier nochmal, wenn das jemand von meinen Lieblingsmenschen liest: Danke). Man muss aber auch dazusagen, dass Paul absolut gar keine Scheu vor Fremden hat und besonders bei meinen Eltern sehr gerne gastiert (dort wird er auch bis zum geht nicht mehr verwöhnt). Generell lieben ihn fast alle und das weiß der Frechdachs auch – was es aber für mich natürlich auch leichter macht, ihn mal “abzugeben”, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

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