fbpx

Das gleichmäßige Summen der Absurdität

Normalerweise seh ich mir das Archiv meiner Insta Stories extrem gerne an. Besonders dann, wenn ich dabei bin einen Recap zu schreiben. Das Archiv von Instagram ist für mich das digitale Pendant zu einem alten Fotoalbum – und hilft mir nicht nur, wieder auf Details zu kommen, sondern auch genau dasselbe Gefühl wieder zu spüren und festzuhalten. Über diese kleinen erfreulichen Momente mitten im stressigen Alltag, mein Sudern am regnerischen Morgen, die entspannten Tage mit meiner Familie in Budapest. Ich tauche nochmal ein, gönne mir ein paar Minuten und dann schreibe ich darüber.

Absurd.

Mein neues Lieblingswort in den vergangenen Wochen, insofern es anhand der Häufigkeit gemessen wird. Das letze Mal hab ich mich mit dem Begriff der Absurdität in dieser Vielzahl beschäftigt, als ich in meinem Studium Camus zum Thema einer Arbeit gemacht habe (oder eher machen musste. Versteht mich nicht falsch, ich verehre seine Werke, aber bin am Ende des Tages dann doch keine Philosophin und war froh, als die Arbeit getan war). Jetzt bestimmt es irgendwie meinen Alltag.

Ich gebe es zu: Für meine aktuelle Gefühlswelt habe ich keine Worte. Normalerweise erlebe ich an einem guten Tag schon über ein dutzend verschiedene Emotionen. Jetzt kommt es mir so vor, als wäre das stündlich so – ein bis zwei Nervenzusammenbrüche inklusive. Und dennoch schwebt über all dem stets dieses immerwährende gleichmäßige Summen der Absurdität.

Seit fast drei Wochen befinde ich mich in Selbstquarantäne, angepasst an die Maßnahmen der österreichischen Regierung. Bei Constant Evolution sind wir schon längst im Home Office, das Haus verlasse ich nur für das Nötigste (einkaufen und mit Paul Gassi gehen), soziale physische Kontakte sind auf ein absolutes Minimum reduziert. Während es sich unter der Woche tagsüber relativ normal anfühlt – besonders durch die Arbeit, auch wenn mein Schreibtisch eigentlich die Hälfte eines Esstisches ist und der halbe Tag aus Telefonaten und Videocalls besteht -, sind es die Abende und vor allem die Wochenenden, die das Bewusstsein wieder auf den Ausnahmezustand lenken.


Ein steter Wechsel zwischen versuchter Normalität inmitten von möglichem Chaos, der manchmal aufkommenden Wut über Leichtsinnigkeit und Ignoranz und irgendwie auch einem beginnenden Gefühl von Taubheit aufgrund der Ernsthaftigkeit der Lage.

Und dazwischen steigt meine Bildschirmzeit der Social Media Netzwerke fast ins Unermessliche, was mich aber vor allem deswegen nervt, weil es sich gerade in eine riesige Lawine von Selbstoptimierungsmaschinen entwickelt, die jeden Tag das Internet mit ihren Bananabreads, Yogamatten und kreativen neuen Quarantäneprojekten fluten. Und ich sags ganz ehrlich: Wir müssen reden, wenn dieser Zustand noch länger als nur bis Mitte April andauert. Natürlich ist es schön und vorbildhaft zu sehen, was Menschen aus ihrer Zeit und in erster Linie das Beste aus der Situation machen. Aber – und dieses aber ist ein großes – bitte behaltet es etwas mehr für euch. Oder noch besser: Wenn es nicht der Fall ist, lasst es die Leute auch wissen. Es gibt gerade genügend Leute, die machen insofern so das Beste daraus, dass sie einfach mal nichts machen und ihre Batterien aufladen und ihr größte Leistung ist das Bingewatchen einer Serie oder der Wechsel vom Pyjama in die Jogginghose. So be it. Also tun wir uns doch einfach alle den Gefallen und kriegen uns wieder ein bisschen ein und chillen ein bisschen mehr (und feiern auch das, in Anbetracht der Lage).

Meine Freizeit war also nicht gespickt von Sport, Backen und Fenster putzen (mach ich ja sonst auch nicht), sondern von ausruhen, Netflix, virtuellen Afterwork Drinks, viel Musik hören und ein bisschen Schabernack planen – schauen wir mal, was Woche 3 bringt.

#stayhome #staysafe #flattenthecurve

Logo - Over The Top by Chris - Storyblog