Blogger from hell – Was ich bei meiner Arbeit als Blogger Relations Manager schon so erlebt habe

10. Oktober 2018

Nur wenige Menschen wissen, dass ich neben meiner Arbeit als Blogger auch Unternehmen in Sachen Blogger Relations unterstütze und berate – sprich ich erstelle Konzepte, recherchiere nach passenden Bloggern und kümmere mich anschließend um die Kommunikation und den Ablauf der Kooperationen. Gerade weil ich selbst Blogger bin und mein Blog mein Unternehmen darstellt, bin ich in der Branche nicht nur gut vernetzt, sondern kenne mich auch dementsprechend aus, wenn es um Content Produktion, Preisgestaltung und Fachwissen eines Bloggers/Influencers geht. Und ja, da es dabei um “meine” Branche (und damit auch irgendwie mein Ansehen geht) betrachte ich das ganze vielleicht noch kritischer als andere – nichtsdestotrotz überrascht es mich immer wieder (leider eher negativ) was so manch Eine/r sich erlaubt bzw. wie mit (potenziellen) Kooperationspartnern kommuniziert wird. Bei vielen Dingen dachte ich, dass es eigentlich zur Norm gehört, ich wurde hier aber in den letzten Jahren definitiv eines Besseren belehrt. Deswegen (und um eventuell auch dem Einen oder der Anderen ein wenig den Kopf zu waschen und meine Arbeit damit zu erleichtern #sorrynotsorry): 5 Dinge, die ich bei meiner Arbeit als Blogger Relations Manager erlebt habe und die du als Blogger definitiv vermeiden solltest.

Professionalität ist das A und O
Wenn Blogger oder Influencer Kooperationen mit Firmen eingehen, gehe ich automatisch davon aus, dass der Blog als Business betrieben wird. Es ist dabei egal, ob hauptberuflich oder  nebenbei, entweder du machst Kooperationen und agierst dementsprechend professionell oder du siehst es einfach als Hobby an und machst eben keine Kooperationen. Was das bei Anfragen seitens des Bloggers ans Unternehmen konkret bedeutet: Das Anschreiben enthält (erste) wichtige Infos zu dir als Person und deinem Blog bzw. deinen Social Media Kanälen, im besten Fall schickst du dein Media Kit gleich mit (oder erwähnst, dass du es gerne bei Interesse nachschicken kannst) und wenn du ein konkretes Konzept im Kopf hast, reißt du auch das an. Dein Blog ist dein Business, du bist Unternehmer und deshalb solltest du das auch so nach außen tragen. Dinge wie Media Kit, KPIs, Google Analytics usw dürfen keine Fremdwörter für dich sein. Und wenn doch, weißt du was du als nächstes zu tun hast: Googlen, Recherchieren, lernen. Bitte, danke. Ein weiterer Punkt, der in Sachen Professionalität extrem wichtig ist, ist die Preisgestaltung. Klar, Reichweite macht viel davon aus, aber du solltest auch immer überlegen, welche Arbeit (Aufwand, Zeit, Material, Art des Contents, usw.) für dich dahinter steckt und nicht einfach nach Lust und Laune deine Preise festmachen. Wenn mir jemand erklärt, dass er für Insta Stories fast denselben Preis wie für einen Blogbeitrag verlangt, schüttel ich nicht nur den Kopf, sondern denke automatisch auch, dass entweder die Stories bombastisch sind (ergo, nicht einfach ‘spontan’ in die Kamera sprechen und etwas herzeigen) oder der Blog nicht wirklich viel kann. Übrigens: Es gibt gratis (für Mitglieder) Kurse der WKO zu solchen Business Basics wie Kostenrechnung.

Bloggst du noch oder schläfst du schon?
Manchmal fehlt einfach die Zeit oder auch die Muse für neue Blogbeiträge, I get it. Nichtsdestotrotz: Wenn ich die Arbeit eines Bloggers betrachte, der “mich” für eine Kooperation anfragt, und der letzte Beitrag wirklich schon Monate her ist, ist er für mich einfach uninteressant. Selbiges gilt auch, wenn Beiträge generell nur im 2- oder 3-Monatstakt vorhanden sind und es sich im worst case dabei nur um bezahlte Kooperationen handelt.

Sehr geehrter… Wer jetzt eigentlich?
Es dauert 5 Minuten, um eine Website zu durchforsten und herauszufinden, ob es eine Kontaktperson speziell für Blogger Relations gibt (oder alternativ kannst du dich sonst an Marketing- oder Pressestellen wenden, bitte schick aber nicht ein- und dieselbe Nachricht an ein Dutzend Empfänger). Generell gilt: Umso persönlicher, umso besser. Natürlich gibt es auch den Fall, dass es nur eine allgemeine Email gibt für den Kontakt, aber selbst dann bevorzuge ich das jeder schnellen Direct Message über Instagram. Letzteres ist bei mir absoluter Plan Z und selbst dann frage ich dort immer “nur” nach, ob es eine zuständige Person dafür gibt und wie ich diese am besten erreichen kann.

Zusatz: Es gibt glaub ich fast keinen größeren Faux Pas, als die falsche Anrede zu verwenden, weil man beim copy+paste vergessen hat es auszubessern. Sich selbst über Massenanfragen an Blogger aufregen und dann vice versa dasselbe machen? Puh. Und apropos copy+paste: Einzelne Phrasen aus verschiedenen Emails zusammenzukleistern ist auch nicht wirklich die feine englische Art, zudem es wirklich nur ein paar Momente dauert alles einheitlich zu formatieren.

Zu viel des Guten
Gerade wenn man hauptberuflich Blogger ist, kommen Kooperationen natürlich öfters vor. Dennoch gilt gerade dann, dass man noch viel eher selektieren sollte, was man macht und was nicht. Und vor allem: Das eben nicht der gesamte Content bezahlte Werbung** sein sollte. In der einen Woche schmierst du dir die eine Hautcreme ins Gesicht, in der anderen ist plötzlich die Creme vom Mitbewerber die Beste? Najo, nonaned – ich selbst nutze seit Jahren oder zumindest Monaten dieselbe Gesichtscreme und jetzt will mir jemand erklären, dass er im Wochentakt wechselt. Schwer. Lieblingspunkt deswegen und inzwischen eigentlich auch Hasswort zugleich, aber eben dennoch wichtig: A u t h e n t i z i t ä t.

Kenne deine Zielgruppe, bleib bei deinem Content
Klar, ein Blog entwickelt sich immer weiter, vor allem wenn er von der eigenen Person handelt. Was ich vor 3 Jahren großartig fand, find ich jetzt eher semi und auch das spiegelt sich bei den Themen wider. Wenn ich also von “bleib bei deinem Content” spreche, meine ich es eher so, dass es dezent absurd ist, wenn man beispielsweise eine Anfrage einer reinen Beautybloggerin bekommt, die erklärt, wie gut ihr Content (der hauptsächlich aus Schminktutorials besteht) und ihre Zielgruppe (die großteils Mädels zwischen 15 und 18 Jahren sind) zum recht teuren (zumindest für Schüler und Studenten nicht unbedingt leistbaren) Outdoor-Hotel in den Bergen passt, das noch nichtmal einen Wellness-Bereich hat.

Ganz ehrlich: Ein Großteil der Blogger, die es eben auch als Beruf ausüben, sind wirklich professionell und genau dann zahlt sich Blogger Relations auch aus. Aber es gibt eben dennoch diese schwarzen Schafe, die dem Image unserer Berufsgruppe schaden und die der Grund sind, wieso Blogger oder Influencer sein teilweise so einen Ruf hat. Und genau das ist es, was einen auch ärgert, wenn man selbst in der Branche arbeitet.

Du bist eben nicht einfach nur Blogger, wenn du damit Geld verdienst (ergo mit Firmen kooperierst). Du bist Unternehmer. Also verhalte dich auch so.

 

** Verwechselt mir hier bitte nicht bezahlte Werbung mit Samples oder dergleichen. Seit es diese Unruhen und Unsicherheiten bezüglich der richtigen Kennzeichnungspflicht gibt, kennzeichen viele Blogger & Influencer mehr als (wahrscheinlich) notwendig. Auch bei mir steht ausnahmslos vor jedem Blogbeitrag, der irgendeine Art von Sample oder dergleichen enthält, Anzeige vor dem Titel, selbst wenn es eigentlich keine Kooperation ist oder eben bezahlte Werbung.

 

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3 Comments

  • 2 Monaten ago

    Super geschrieben! Ich finde es gibt leider viele “neue” Blogger die glauben das es ja alles so einfach ist und eine schnelle Art Geld zu verdienen. Das zeigt sich auch im Inhalt und in der Qualität von den Beiträgen – die sehr oft 1 zu 1 so gestaltet sind wie bei andere (öfters erfolgreicher) Blogger. Ich finde man sollte selber auch schauen was und wie man etwas machen kann. Seitdem ich in Februar Mutter wurde habe ich nur eine Kooperation angenommen, absichtlich weil ich selber weiß ich habe nicht so viel Zeit und möchte nicht etwas halb richtig machen. Und wenn dafür meine Blogs nicht so viele Beiträge wie vorher haben weiß ich zumindest die, die veröffentlicht werden, sind gut geschrieben. Vielleicht sind es aber auch diese unprofessionelle Blogger die uns alle einen schlechten Ruf geben….

    LG, Rosie //Curvy Life stories

  • 2 Monaten ago

    Hi Denise, was du schreibst finde ich super wichtig und das ist wirklich genau das, was man beachten sollte, um als Blogger ernst genommen zu werden. Klar ist niemand perfekt und Fehler passieren, aber ich denke der Grund dafür, dass Blogger generell bei manchen Menschen ein eher negatives Image haben, liegt zu einem großen Teil in den eben von dir angesprochenen Punkten. Ich bin mir sicher, der ein oder andere kann dadurch noch was dazu lernen :) Liebe Grüße, Julia

  • 3 Wochen ago

    Toll geschrieben! Und du sprichst mir aus der Seele. Ich kenne ebenfalls beide Seiten. Jedoch ist vielen (Neu)Bloggern nicht bewusst, dass eine Kooperation nicht nur aus Jucks und Freude eingegangen wird. Schön, dass du ansprichst, was so viele denken!

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