Von ausstehenden Entscheidungen

Wie hypnotisiert starre ich aus dem Fenster und beobachte das triste Regenwetter, das seit Tagen die Überhand in meiner Heimat im Westen in Österreich behält. Während Wien im Schneechaos versinkt, hat Frau Holle beschlossen, Vorarlberg dabei noch etwas auszusparen und vorerst dem grauen Dickicht zu überlassen. Tropfen für Tropfen prasselt auf unseren hölzernen Terrassenboden, der Kaffee in meiner Hand wird langsam kalt, der Laptop auf meinem Schoss dagegen immer wärmer – obwohl ich ihn gerade geflissentlich ignoriere. Ich habe es mir auf dem riesigen, smaragdgrünen Ledersessel im Wohnzimmer meines Elternhauses bequem gemacht, eigentlich um die Arbeit zu erledigen, die sich über die Feiertage und meiner Zeit Zuhause angesammelt hat. Als Unterstützung habe ich mich für kuschelige Wollsocken und eine riesige Tasse voller duftendem Koffein entschieden – voller Überzeugung, dass das als Auslöser ausreichen würde. Statt jedoch wie geplant in die Tasten zu hauen und den ersten Blogbeitrag im neuen Jahr zu verfassen, halte ich mich weiterhin daran, ins Nichts zu starren und meinen faulen Gedanken und wagen Plänen freien Lauf zu lassen. 

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Das süße Nichtstun hat mich gefangen, schon seit dem Weihnachtsabend bis jetzt ins neue Jahr, das an dem heutigen Tag gerade mal 5 junge Tage alt ist. In 2 Tagen geht es zurück in die österreichische Hauptstadt, zurück in den Alltag – mit vollem Tatendrang und Schwung, versteht sich. Aber jetzt, just in diesem Moment, verläuft die Zeit einfach einen Tick langsamer, sanfter. Denn wie jedes Jahr, dauert der Jahreswechsel einfach einen Tick länger bei mir. Ich brauche ein klein wenig mehr Zeit, mich zu sortieren und anzukommen, zumindest bis zum Dreikönigstag kann man sich sicher sein, dass ich allgemein etwas länger brauche, um mich zu motivieren und die neue Jahreszahl Willkommen zu heißen. Dabei ist das Internet zu dieser Zeit voll von den alljährlichen neuen Vorsätzen – den klassischen, den besonderen, den unmöglichen. Aber ich komme nicht umhin, mich dieses Jahr nicht angesprochen zu fühlen. Weder von „New Year, New Me“, noch von den „366 leeren Seiten, die 366 neue Chancen bedeuten“.


Ich möchte kein komplett neues Ich, ich will nicht wieder an diese große, dunkle Deadline gebunden sein, die ein Jahr als Ganzes normalerweise markiert.  Es soll nicht das neue Jahr sein, dass mich zu Großem anspornt. Ich möchte das alte Jahr nicht einfach so hinter mir lassen, weil es generell ein tolles & ereignisreiches war und ich so viel gelernt habe, wie noch nie. Nichtsdestotrotz – so ein Wechsel führt unweigerlich zu einem Gefühl der neuen Motivation und diesem grundlegenden Bedürfnis des Menschen, mit besagter Veränderung mitzugehen. Deswegen bildet er sich in diesem Moment auf dem Sessel und während der süßen Sünde doch, dieser eine oder andere Vorsatz. Wobei, Vorsatz ist das falsche Wort dafür, denn genau genommen plane ich nicht. Vielmehr sind es Entscheidungen, die endlich und endgültig getroffen wurden, im Laufe der letzten Wochen. Denn genau das sollten sie eigentlich sein, die ominösen Vorsätze, die uns gerade im Kopf herumschwirren: Entscheidungen. Gefällt, gemacht, getan – egal ob klein oder groß.

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Neue Orte werden entdeckt – völlig unbekannte, aber auch solche, die ich bereits kennenlernen durfte. Mein Masterstudium muss darf jetzt mal Pause machen. Ich werde mein Buch dieses Jahr veröffentlichen. Prioritäten sind endlich in der richtigen Reihenfolge – aus Gründen. Einen Nachmittag lang werd ich diesen verdammten Eyelinerstrich und alle anderen gespeicherten Beauty Hacks üben, einfach weil ich es will und offziell damit ich morgens und generell im Bad Zeit spare. Ich scheiß die nächste Zeit jetzt einfach mal auf’s Fitnesscenter aka das schlechte Gewissen, weil ich es derzeit sowieso nicht schaffe. Es wird jeden Monat zumindest ein Buch gelesen, egal ob bereits bekannt oder unbekannt. Sonntag gehört mir (und vermutlich Sherlock, The Walking Dead, The 100, Teen Wolf,..). Allgemein ist jetzt alles ein bisschen organisierter, sogar mein Schreibtisch und all die eingestaubten Unterlagen und Zettelwirtschaften. Die Devise heißt derzeit übrigens: (fast) alles unnötige muss raus (das Bermuda-Dreieck in unserem Wohnhaus freut sich). Ich werde auch wieder mehr Zeit im Ländle verbringen – bin ja nicht umsonst Lifestyleblogger aus Vorarlberg und Wien. Die Haare bleiben vorerst grau, sorry Mama. Ich werde nicht nur versuchen zu inspirieren, sondern auch zu motivieren und unterstützen – dazu gibt es auch bald offiziell mehr. Endlich habe ich auch die Fotos ausgesucht, die die 2 Jahre alten (und leeren) Bilderrahmen füllen werden. Und last but not least, Over the top: Keine Sorge, das Design wird immer noch bleiben. Lediglich die Transparenz-Seite wird demnächst überarbeitet werden (because einheitlich, professionell und einfach weil ich es will), mehr Zeit für Fotos wird eingeräumt und der Newsletter darf dann auch wieder regelmäßig auf Reisen gehen.


2016 ist da – und alles bleibt gleich und ist dennoch anders, vielleicht einfach deswegen, weil alles mit einem neuen Charme ausgestattet wurde und generell irgendetwas in der Luft liegt. Und doch, das einzige was sich für mich persönlich geändert hat, ist die Tatsache, dass meine ausstehenden Entscheidungen nicht mehr ausstehend sind, kein kleiner Gedanke, kein Entzünden – mehr ein Brennen. Kein „Ich will gesünder leben“, „Ich möchte mehr Zeit für mich haben“ oder „Ich würde gerne mein Studium pausieren“ – sondern ich kann und ich werde.

Und was hast du entschieden?

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6 Comments

  • 2 Jahren ago

    Das Bild von dir ist so schön! Ich tue mich im Moment auch schwer mit Entscheidungen treffen, mein Antrieb ist ebenfalls schwach. Ich komme nur so langsam wieder in Gang.

    • 2 Jahren ago

      Danke! Wie kann man dich motivieren? :)

  • 2 Jahren ago

    Wieder mal wunderschöner Beitrag. Ich freue mich schon auf alles was es bei dir 2016 zu lesen gibt – vor allem Projekt Buch finde ich ja klasse.
    Und ja zu grauen Haaren, ich finde das steht dir einfach so unheimlich gut!

    Love, Kerstin

    • 2 Jahren ago

      Vielen lieben Danke Kerstin! :)

  • julia
    2 Jahren ago

    das ist wundervoll geschrieben – dein stil, deine wörter – ein Wahnsinn, für mich ein Wahnsinn. du fesselst mich mit deinen worten und die gehen direkt nach innen und regen mich an zum denken.
    danke das du so eine authentische Bloggerin bist!
    ganz liebe grüße Julia

  • 2 Jahren ago

    Ich mag deinen Schreibstill voll gerne! Hoffe, dass du all deine Vorsätze einhalten kannst! :)

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