To move or not to move

Es scheint der erste große Schritt in einer ernsten Beziehung zu sein: Das Zusammenziehen mit dem Freund bzw. der Freundin. Ich kenne Pärchen, die bereits nach wenigen Wochen die erste gemeinsame Wohnung beziehen, ich habe schon von jenen gehört, die mehr oder weniger müssen und es gibt welche, die gar nie diesen Schritt in Erwägung ziehen und dann gibt es noch jene Liebenden, die irgendwie versuchen den perfekten Moment zwischen Rationalität und Emotion zu finden. Bei Mister T und mir war es eher Letzteres, wobei wir den endgültigen Schubser durch den Umzug von Vorarlberg nach Wien erhalten haben: Zu diesem Zeitpunkt waren wir fast 2 Jahre zusammen und obwohl ich nie daran gedacht habe, mit Anfang 20 und während meiner Ausbildung bereits mit meinem Freund zusammenzuziehen, haben wir den Schritt am Ende ohne große Diskussion einfach gewagt. Im Grunde genommen liegen die Vorteile einer gemeinsamen Wohnung auf der Hand: Man spart Geld, fängt ein gemeinsames Leben an und irgendwie gehört es auch zu den größeren ersten Schritten, die einem das Gefühl geben, erwachsen zu sein. Meine persönlichen Gedanken dabei waren vor allem auch „wenn es nach 2 Jahren nicht funktioniert, wieso sollte es nach 3, 4 oder 5 Jahren besser laufen?“. Dazu kommt, dass man am Ende als Pärchen mit getrennten Wohnungen früher oder später in einer Wohnung mehr Zeit (gemeinsam) verbringt – meist in der, die generell gemütlicher, ungestörter und besser gelegen ist (klingt komisch, ist aber so).

Nichtsdestotrotz kann es mitunter schwierig und anstrengend sein, vor allem zu Beginn. Wenn ein Paar behauptet, nicht einmal eine Diskussion darüber geführt zu haben, wo was steht oder wer was macht, dann lügt es – ganz einfach. Es ist Arbeit und es kann mitunter nicht funktionierten, aber es kann auch ganz großartig werden.

bedroom-405920_1920

Zusammenziehen mit dem Freund

und was du dabei (vielleicht) beachten solltest

Geduld haben du musst!
Wenn du um 02:00 Uhr morgens noch dabei bist, Expedit und Hemnes zusammenzubauen und das Gefühl hast, im Chaos zu versinken, dann kann jeder noch so kleine Kommentar einen Wirbelsturm auslösen. Ich weiß (aus eigener Erfahrung), es ist leichter gesagt als getan, aber besonders während einer stressigen Zeit (Umzug, Prüfungswoche, Hormone, zu viel Arbeit, ..) ist es ratsam, lieber einmal mehr durchzuatmen. Während es sonst nämlich möglich war, einfach in seine eigenen vier Wände zu fliehen, entfällt das jetzt. Außerdem musst du dir bewusst sein, dass ihr als vollkommen verschiedene Individuen versucht, gemeinsam auf (engerem) Raum zu funktionieren und dabei habt ihr oft verschiedene Vorstellungen und Gewohnheiten vom Alltag und eurem Zuhause. Es kommt sicher mal zu Streit und es wird mehrere Diskussionen geben – also nicht gleich das Handtuch werfen (außer es wird Dauerzustand).

First Draft!
Noch bevor es in ein gemeinsames Heim geht, sollte man zuerst kleinere Schritte wagen und in Erwägung ziehen. Ich weiß nicht warum, aber für mich ist einer dieser Schritte der erste gemeinsame Urlaub – nur als Paar. Keine Familienmitglieder, keine Freunde, nur ihr zwei. Und das vor allem bei einem reinen Bade- und Strandurlaub, wenn es keine tagtägliche Action gibt oder 24/7 Programm ansteht. Natürlich kann es da an Tag 5 mal ein bisschen fad werden, aber die Frage ist: Wird dir fad weil der/die andere dich langweilt oder hätte der Urlaub generell einfach etwas mehr Action gebraucht?

Kompromisse, Kompromisse, Kompromisse!
Das Zauberwort! Wie bereits erwähnt, kommt jeder aus einem anders-funktionierenden Elternhaus, hat eine andere Erziehung genossen und auch andere Vorstellungen und Ansprüche. Mister T und ich haben uns bereits zu Beginn daran gemacht, gewisse Dinge und mögliche Grenzen festzulegen. Im Bezug auf die Wohnung hieß das zum Beispiel, dass wir uns den Haushalt dementsprechend aufteilen oder auch, dass in der Wohnung nicht Fußball gespielt wird und ich mir endlich angewöhne, Schränke und Türen zu schließen. Business as usual!

trousers-362781_1920

Ufzita, jetzt kum i!
Der einzige Punkt, der mich persönlich noch stört: Ich finde, wir haben zu wenig Platz in der Wohnung. Nicht, weil ich an sich für mich allein mehr Freiheit bräuchte, sondern generell (was vielleicht aber auch daran liegen mag, dass ich großteils von Zuhause aus arbeite). Der eigene Freiraum sollte aber definitiv nicht vergessen werden: es muss zumindest die Möglichkeit geben, sich zurückziehen zu können (und vielleicht auch mal deswegen, um eine Tür zuzuknallen, die jetzt nicht gerade die Haustür ist).

Die Verschmelzung!
Es ist eine Tatsache, dass Pärchen vor allem während der rosa-Brillen-Phase gerne von einem Du & Ich zu einem Wir verschmelzen, was an sich (meiner Meinung nach) nicht weiter schlimm ist – insofern es sich nach und nach wieder einpendelt. Das Problem der Verschmelzung kann jedoch spätestens wieder beim Zusammenziehen auftauchen, einfach weil aus dem Du & Ich jetzt tatsächlich in manchen Lebenslagen ein Wir wird. Der Punkt ist aber: Es sollte nicht in allen Bereichen des Lebens so sein. Mister T und ich sind wir, aber ich bin trotzdem Blogger, ich bin beste Freundin, Schwester und Geschäftspartnerin – nicht wir.

Glorious Date-Night
Etwas, dass dabei aber auch schnell mal in Vergessenheit gerät, ist die von Mister T und mir zelebrierte „Date-Night“. Auch wenn man nicht miteinander verschmelzen sollte, sollte man sich dennoch auch Zeit für sich als Paar nehmen. Nicht als „Mitbewohner“ auf der Couch, während der eine liest und der andere Löcher in die Luft starrt oder noch schnell etwas für die Arbeit erledigt – es soll bewusst Zeit zu Zweit sein.

Let me (house)hold that for you
Die große dunkle Wolke des Haushalts zieht früher oder später immer über die glückselige Gemeinschaft. Die Wahrheit ist: Niemand mag den Haushalt, aber man kommt nicht drum herum und am besten ist es, wenn man von Anfang an darüber spricht. Was wird gemacht, wie wird die Arbeit aufgeteilt, wann muss es gemacht werden. Und irgendwann kristallisieren sich sogar „Vorlieben“ heraus und man kann alles so aufteilen, dass jeder zumindest irgendwie zufrieden ist: Mister T ist beispielsweise bei uns für die Waschmaschine zuständig, ich für das Bad, den Abwasch teilen wir uns (weil den mag eigentlich niemand), genauso wie das Staubsaugen und das Bett ab- und anziehen (das mag von uns eigentlich auch niemand).

Wir sind sicher nicht das Paradebeispiel, Mister T und ich – aber immerhin wohnen wir jetzt seit bald 4 Jahren zusammen auf rund 55 m2 und wir mögen uns trotzdem noch außerordentlich gerne und verbringen gerne Zeit zusammen. Also gehe ich davon aus, dass wir doch irgendetwas richtig machen und das es funktioniert (bis auf den Haushalt vielleicht, aber den mag ja auch einfach niemand).

Related Posts

11 Comments

  • 2 Jahren ago

    Herrlich geschrieben! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen :) Und den Haushalt mag wirklich niemand ;)

    Alles Liebe
    Babsi

  • 2 Jahren ago

    Super Post! Ich hatte ja auch große Angst vor der ersten eigenen/gemeinsamen Wohnung. Das ist ja schon ein sehr sehr großer Schritt – aber ich kann deine Worte eigentlich nur so unterschreiben!

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

  • 2 Jahren ago

    Bei uns war es so, dass ich zuerst Untermieterin/Mitbewohnerin wurde und dann sind wir als Paar in eine größere Wohnung gezogen, was dann fast 10 Jahre halten sollte. Nun ist die Trennung und ich bin froh, wieder mehr Verantwortung, Organisation, Macht über mein Heim zu bekommen. Manches Chaos kann einem den letzten Nerv rauben. LG

    http://featheranddress.com

    • 2 Jahren ago

      Stimmt, wenns nicht passt, dann passt es einfach nicht mehr – die Hauptsache ist, dass du jetzt wieder zufrieden bist und dir deine Nerven sparen kannst! :)

  • 2 Jahren ago

    Ein wirklich super toller Beitrag und einfach klasse geschrieben.
    Ganz liebe Grüße Lisa <3
    http://hellobeautifulstyle.blogspot.de/
    https://www.youtube.com/channel/UCPoU_ebFxQsjhAwy8bjlPiA

  • 2 Jahren ago

    Ein toller Beitrag! Bei mir und meinem „Herzmann“, wie ich ihn gerne nennen, soll es im Sommer soweit sein – die erste gemeinsame Wohnung. Bis jetzt wohnen wir beide noch in unserem Elternhaus und habe keinerlei Erfahrung wie das ist, wenn man auf einmal einen eigenen Haushalt führen muss – also dann so richtig mit allem drum und dran. Dein Betrag ist da doch in einer Hinsicht ganz hilfreich.

    Liebe Grüße!

    • 2 Jahren ago

      Danke, ich hoffe die Tipps helfen :)

  • 2 Jahren ago

    Ich bin mit meinem Freund nach einem halben Jahr Fernbeziehung zusammengezogen. War damals mit 19, hatte schon weiter weg studiert und auch alleine gewohnt, er davor in einer WG. Hat bei uns prima geklappt, als es uns an den gleichen Ort verschlagen hat und nein, es gab keinerlei Diskussion welche Möbel wo stehen sollen bzw. was von wem aufgestellt wird und welches Teil rausfliegt. Hatten uns von Anfang an auch eine eigene Küche gekauft und es funktioniert alles tadellos. Wir streiten uns wirklich nie bezüglich der Wohnung.

    Kann so und so funktionieren.

  • Dengi
    1 Jahr ago

    super gschrieba, richtig guata beitrag :) da es jo nägst johr bei uns sowit isch, wie ihr eh wissen, neaman mir uns die tipps vor dir zu herzen :) und mir hoffen natürlich, dass es bei uns den ou so super louft wie bei euch :)))))

  • 10 Monaten ago

    Hallo Chris,

    vielen Dank für den schön geschriebenen Text! Ich kann so manches nur bestätigen :D Ich habe mir übrigens auch schon Gedanken zum Zusammenziehen von Pärchen gemacht:

    http://100woerter.de/ueber-die-moebelverteilung-beim-zusammenziehen-von-paerchen/

    Würde mich freuen, zu hören, ob auch du dich darin wiederfinden kannst :)

    Liebe Grüße
    Peter

Leave A Comment