The inconvenience of being busy

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie gut es mir gerade geht. Ich habe gerade keine Pflichten, nichts zu tun – niemand verlangt etwas von mir. Kein Job zwingt mich zum Aufstehen, keine Prüfung bringt mich dazu, die Nacht durchzulernen. Wenn ich will, schlafe ich aus oder mache die Nacht durch. Aber nur weil ich will. Ich finde gerade irgendwie zu mir selbst und entdecke neue Hobbies, ich gehe auf Coffeedates, mache gemütlich und ausgiebig Sport oder lese den ganzen Tag einfach mal ein Buch. Es ist unglaublich.“

Innerlich zucke ich leicht zusammen. Und im ersten Moment bin ich auch leicht schockiert – über die Leichtigkeit wie sie es sagt und ihre Freude darüber, ein halbes Jahr lang einfach mal „nichts“ zu tun. Nicht, weil ich es ihr nicht gönne. Viel mehr, weil ich es auch will. Ich bin neidisch – und spreche es meiner Freundin gegenüber offen aus. Seit Monaten bin ich die #busybee, manchmal so sehr, dass ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht – selten weniger. Und ich bin kein Einzelfall. Beschäftigt zu sein & eine ellenlange To-Do-Liste zu haben scheint ein neuer Trend zu sein. Erfolg macht attraktiv und darüber zu sprechen ist das neue Vorspiel. Ein Konstrukt aus neuen Projekten, Kampagnen, Meetings & Listen baumelt über den Köpfen der Generation Y und durch die große Sehnsucht nach Freiheit und vor allem freier Wahl wird versucht alles unter einen Hut zu bringen. Wir dokumentieren den Wahnsinn des beschäftigten Alltags auf Instagram & Facebook und schalten auch Abends oder am Wochenende den Kopf nicht ab. Work hard, leave your comfort zone, don’t dream it – do it! Versteht mich nicht falsch – all diese Mantras, ich unterzeichne sie immer noch blind. Ich will, ich kann & ich werde. Und ich versuche mir einzureden, dass ich mit einem noch besseren Zeitmanagement den Laden am Laufen halte. Weil irgendwie, ist da der Hund drinnen. Ich will nicht busy sein. Ich möchte dazwischen atmen können. Ich will Bilder davon posten, wie ich den ganzen Sonntag auf dem Balkon mit einem Buch verbringe. Ich möchte mit Freunden Abends ein (oder zwei) Cocktails genießen, ohne mit Gedanken schon wieder vor dem Laptop zu sitzen. Weil genau das – die von mir immer in den höchsten Tönen gehandelte Quality Time – sollte glorifiziert werden. Keine Meetings, kein busy morning, kein durchgearbeiteter Sonntag. Stop the glorification of being busy.

aa

„Und weißt du was das Schönste daran ist? Dadurch, dass ich momentan all diese Zeit für mich und meine Träume habe, freue ich mich umso mehr wieder darauf, in mein neues Studium zu starten. Es ist, als ob ich meine Festplatte gerade reinige – von all dem Müll, den ich mir in den letzten Monaten gespeichert habe und der mir die Freude an der Arbeit und dem Lernen genommen hat.“

Beinahe wehmütig blicke ich sie an und versichere ihr nochmal, wie gut sie es hat & wie gern ich tauschen würde. Aber ich bemitleide mich nicht selbst, weil ich weiß, dass ich es in den Händen halte. Ich schulde niemandem Rechenschaft und eigentlich erwartet es auch niemand. Viel mehr ist es diese kleine, hinterlistige Stimme in meinem Kopf, die mich antreibt und dazu bringt, noch mehr nach vorne zu preschen. Und die schalte ich jetzt einfach mal aus. Zumindest Abends. Und am Sonntag. Hoffentlich.

 

Damit habe ich mich gerade von der Prüfung nächster Woche abgemeldet, das Studium kann auch im September weitergehen. Was meint ihr?

 

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