The Evil Blogger

Ich bin ein Hitzkopf. Zumindest kann ich einer sein. Sehr gut sogar. Inzwischen habe ich aber gelernt des Öfteren meinen Mund zu halten, um unnötige Diskussionen zu vermeiden – weil die mich noch mehr Nerven kosten, als das ausschlaggebende Detail oder auch die stupide Aussage, die überhaupt dann dazu führen. Deswegen gehen bei mir die meisten Dinge zum einen Ohr rein und schnurstracks beim anderen wieder raus. Und wenn überhaupt, dann reg ich mich privat auf und spar mir den Senf für meine Freunde und Familie auf, die wissen, wie evil ich sein kann. Aber manchmal kommt dieser unnatürlich riesige WTF?!-Moment, da kann nicht einmal ich die Klappe online halten.


Meiner Meinung nach bin ich ein guter Mensch. In den Tiefen meines dunklen Herzens, habe ich einen butterweichen Kern. Obwohl 1,60 Meter großer Zwerg, habe ich mich schon in der Volksschule für andere eingesetzt, hab meine große Klappe genutzt und bin eigentlich nie tatenlos daneben gestanden – was sich auch nicht immer positiv für mich herausgestellt hat. Ich gebe immer bevor ich nehme. Das war schon immer so. Es ist das erste Mal, dass ich solche Dinge schwarz auf weiß verfasse – da ich den Sinn hinter dem Schmücken mit diesen Lorbeeren nicht sehe. Ich bin ein guter Mensch – aber ich bin kein perfekter Gutmensch. Ich kaufe nicht nachhaltig ein, ich lebe nicht vegan – nicht einmal vegetarisch. Ich jage die Mücke in meinem Schlafzimmer, wenn sie mir meinen Schlaf raubt. Und mir tut auch die haarige Spinne nicht leid, wegen der ich mir unter der Dusche vor Schreck und Ekel fast das Becken gebrochen habe. Das Traurige dabei ist: Heutzutage können solche Aussagen online zu einer mittelalterlichen Verfolgungsjagd ausarten, vor allem weil ich doch Blogger bin. Ich muss Vorbildfunktion haben und diese scheint derzeit nur eine richtige Richtung zu kennen. Um den lächerlich-lästigen Trubel der letzten Tage zusammenzufassen: Als Blogger darf ich nicht mit Unternehmen kooperieren, dann verliere ich an Authenzität. Als Blogger muss ich mein Hirn nutzen – was ich sicher nicht mache, wenn ich mit dieser und jener Firma zusammenarbeite. Sich als Blogger des Öfteren auf Events sehen zu lassen und darüber auf den eigenen Social Media Kanälen zu berichten – sei es zusätzlich bezahlt oder unbezahlt – gleicht einer Farce. Und sowieso: Wenn ich mich dafür entscheide, Blogger zu werden, muss ich das ganze Paket in Kauf nehmen – besonders mit steigender Reichweite. Ansonsten unterstütze ich die widerlichen Machthaber dieser Welt, fördere die Kauf- und Magersucht unter Jugendlichen und vermutlich bin dann auch ich der Grund, warum alle Journalisten arbeitslos werden.


Ich bestreite nicht, dass es auch unter Bloggern schwarze Schafe gibt – das leidige Thema bezüglich der zu häufigen Advertorials, der bezahlten Meinung und der Kennzeichnung von solchen Beiträgen geistert wie ein dunkler Schatten durch die Blogosphäre und tritt immer wieder Mal an die Oberfläche. Auch, um den entsprechenden Traffic zu generieren – immerhin fühlt man sich von Artikeln mit „Lieber Blogger“ angesprochen und es klicken alle dementsprechend. So wie sich der Zahnarzt und der Bäcker angesprochen fühlen, wenn es um ihre Berufsgruppe geht. Aber generell, werden nicht alle in einen Topf geworfen – niemals. Die vermeintliche Hass-Liebe in dieser Welt fasziniert mich immer wieder auf’s Neue: An einem Tag wird Zusammenhalt & Gemeinschaft gepredigt, am anderen zückt man die Steine & Beleidigungen. Sorgt aber immerhin für Abwechslung und wie bereits erwähnt, halte ich mich normalerweise aus diesen Dingen raus. Aber wenn man mit dem Finger auf andere zeigt und sie an den Pranger stellt – obwohl man sich selbst wünscht, dass das einem erspart bleibt – dann muss man auch mit Gegenwind rechnen. Und gerade als selbst erkorener Gutmensch – wie es manche in die Welt posaunen – sollten die Scheuklappen runtergenommen und jegliche Doppelmoral außen vorgelassen werden. Oder zumindest  sollte man sich Gedanken darüber machen, ob man das, was man sagen möchte, auch wirklich richtig ausdrückt. Immerhin hat man als Blogger ja Vorbildfunktion.

  candle

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3 Comments

  • 2 Jahren ago

    Wirklich toll geschriebener Beitrag! Bringt das ganze Drama der letzten Wochen/Monaten auf den Punkt!!!! ;)

  • 2 Jahren ago

    Ja, es ist einfach auch so, dass es immer Menschen gibt, die kritisieren, was man tut – und zwar egal, was man tut – irgendwem passt es immer nicht. Wir sind nicht auf der Welt, um es immer allen recht zu machen. Aber trotzdem ist es oft schwer, sich davon frei zu machen. Keiner ist perfekt. Perfekt gibt es nicht. Und auch der Dalai Lama hat schon die Mücke in seinem Schlafzimmer gejagt!

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