The bad habit

Du verheimlichst sie beim ersten Date, beim Bewerbungsgespräch und wenn du mal darauf angesprochen wirst, kannst du ganz schnell kreativ werden, Argumente und Ausreden zu finden, die irgendwie dafür sprechen oder sie erklären: Schlechte Eigenschaften, Schwächen und Komplexe. Der Mensch ist Meister darin, die negativen Aspekte seines Wesens zu verbergen – oder zumindest solange zurückzuhalten, bis es angebracht ist sie zu zeigen bzw. das Gegenüber so angetan von einem ist, dass darüber hinweg gesehen werden kann. Ich hab noch nie behauptet perfekt zu sein, aber ich geb auch selten zu, was mich möglicherweise zu einem schlechteren Menschen macht oder worin ich eindeutig noch an mir selbst arbeiten könnte. Bis jetzt zumindest.

Diese verflucht verflixte Uhrzeit
Mein größtes Problem ist die Zeit. Schon mein Leben lang. Nicht, dass sie mir davon rennt (was sie aus Prinzip tut) und auch nicht, dass ich sie des Öfteren übersehe. Viel mehr, dass sie gegen mich spielt. Grundsätzlich solltest du eines wissen, wenn du Teil meines Lebens bist: Ich komme generell immer zu spät. Wenn ich nicht zu spät komme, dann bin ich viel zu früh dran und zugleich ungeduldig und beschließe, nie wieder pünktlich zu sein. Ein Teufelskreis. Ich kann aber Entwarnung geben: Es sind meist oder sogar so gut wie nur die klassischen 5-10 Minuten. Aber dennoch, sie sind da. Immer wieder und ohne sie bezwingen zu können.

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Vergeben, aber nicht vergessen
Es gehört unwillkürlich zum Leben dazu, das Herz gebrochen zu bekommen. Seien es die kleinen Dinge, die sich mit etwas Schokolade (und später auch Alkohol) ausbessern lassen oder die gröberen – die, die richtig tief gehen und erste Wunden hinterlassen. Ich hab schon immer zu den Menschen gehört, die bei einer aufrichtigen Entschuldigung gerne mal (zu früh) verzeihen. Aber ich habe nie vergessen. Tue es heute auch nicht. Mein Bild wird einmal geprägt und dann ist es nur schwer möglich, die Farben davon zu ändern – selbst wenn die Absicht voller Wahrheit und Reue ist. Da bin ich hart und erbarmungslos.

The Evil Me
Ich versuche, ein guter und positiver Mensch zu sein. Ich versuche es wirklich. Aber hin und wieder kommt die dunkle Seite in mir zum Vorschein. Diese schwarz-wie-die-Nacht-dunkle Seite, die ohne Gnade und Freundlichkeit ist (öfters aber mit Humor, schwarzem bitterbösem Humor). Dabei gibt es nichts schön zu reden, ich kann dabei ganz banal und brutal sein. Einfach so, meist an etwas schlechteren Tagen, aber selten mit einem bestimmten Auslöser. Gut, hin und wieder kann ein Auslöser der Grund sein. Hin und wieder. Aber ich versuche immer auch neutral und ohne Vorurteile zu sein (zumindest versuche ich es).

Unzufriedenheit par Excellence
Ich kenne (fast?) keinen Menschen, der mit sich zu 100% zufrieden ist. Wenn es nicht ein fehlendes Talent oder gewünschtes Können ist, liegt es am Aussehen. Und ich bin dabei keine Ausnahme. Manchmal fühle ich mich zu dick, dann finde ich meine Haut furchtbar, dann sind es die Haare und ab und an ist es einfach alles zusammen und ich verfluche mein Spiegelbild. Und wenn nicht das, dann zweifel ich an mir – an meiner Schreibe, meiner Arbeit, meinem Ehrgeiz. Ich finde immer etwas. Es sind nie die vollen 100% Glückseligkeit, es findet sich immer eine Kleinigkeit, dieses eine winzige Prozent, dass die 100 daran hindert voll zu sein.

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Ihr wisst, erst die kleinen Fehler und unsere Schwächen machen uns am Ende aus, zeigen unsere Menschlichkeit. Sie bringen uns näher aneinander, weil Gemeinsamkeiten, die aus schlechten Eigenschaften bestehen noch mehr zusammenschweißen. Auch wenn ich gerne die eine oder andere loswerden würde (beispielsweise die Unpünktlichkeit oder die Tatsache, dass ich mehr Pessimist als Optimist bin), sie gehören dazu. Fehler sind menschlich, auch wenn sie anstrengend sind und uns nerven können. Ich weiß, es klingt wie diese Moralpredigt, die jedes philosophische Spruchbild auf Facebook auch für uns bereit hält – aber wenn der Tag (und bald auch das Jahr) vorbei ist, ist es eben doch wichtig, sich diese Tatsache immer wieder vor Augen zu halten. Es ist ok, manchmal schlecht zu sein. Es gibt keinen Grund, Schwächen krampfhaft verhindern zu wollen. Jeder hat seine eigenen Fehler. Daran versuche ich zu denken. Wenn der Zweifel kommt. Die Unzufriedenheit und auch dann, wenn sich die Ubahn genau wieder dann verspätet, wenn ich so pünktlich gewesen wäre (dumme Ubahn!).

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2 comments

  1. Toll geschrieben! Bei einigen Punkten finde ich mich wieder :)

    Aber du bist richtig sympathisch, ich liebe deine Seite und schau mehrmals vorbei.
    Mach weiter so :)

    Ich wüsche dir und deinen Liebsten ein besinnliches Fest und schöne Feiertage.

    Liebe Grüße
    Nina

  2. Ich bin dir sehr dankbar für deinen Beitrag und hoffe das ihn viele andere Mädels auch lesen werden!
    Gerade das mit der Unzufriedenheit des eigenen Körper, das immer wiederkehrende Zweifeln an den eigenen Stärken und Fähigkeiten, bestimmt das Leben von so vielen Mädchen. (Ich schätze mal bei den Jungs wird das ähnlich sein.) Und das ist doch auch völlig normal, menschlich eben.
    Ich finde deshalb so Beiträge (wie deinen) so wertvoll, da er noch einmal deutlich zeigt das auch Menschen die in der Öffentlichkeit stehen und von vielen als „Perfekt“ gesehen werden eben auch nur Menschen sind. Und Menschen zweifeln.

    Vielleicht liest ja jemand meinen Kommentar und auch wenn ich dich nicht kenne kann ich dir aus vollem Herzen sagen dass du wunderschön bist! Vielleicht zweifelst du ja gerade an dir, denkst du bist nicht schön, weil du nicht dem Idealbild der Medien entsprichst.
    Doch Schönheit ist ein Wort das man so unterschiedlich definieren kann.
    Lass dich nicht von deinen Mitmenschen und ihren negativen Gedanken kaputt machen. Lass dir nichts einreden, vonwegen du seist hässlich,dick…! Du bist gut so wie du bist!!

    Tschö mit Ö;P
    Flo

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