Looking Back Part 2: Storyteller

Auch wenn Silvester im Grunde genommen ein Tag wie jeder andere ist, bringt der letzte Abend des Jahres für mich doch immer wieder etwas ganz besonderes mit sich. Es herrscht ein Zauber in der Luft, wenn die Menschen sich darauf vorbereiten, das Jahr gemeinsam im Kreis der Liebsten zu verabschieden. Auch wenn sich diese Magie mit jedem Lebensjahr verändert, bleibt es dennoch immer dasselbe. Wir kommen immer noch zusammen an einen Tisch, stoßen auf die Vergangenheit und die Zukunft an und kurz vor Mitternacht steigt die Spannung beinahe ins Unermessliche. Wir schmieden Pläne, selbst wenn wir es nicht wollen, entwickeln Vorsätze, die wir aber zu unserer eigenen Sicherheit nicht immer laut aussprechen und blicken meist voller Tatendrang den kommenden 365 Tagen entgegen. Neuanfänge liegen überall in der Luft und wohin du auch blickst, du siehst Tatendrang in den Augen. Und selbst wenn es nicht das ganze Jahr überdauert, jeder Schritt zählt.

Continue Reading

Kreatives Schreiben lernen und trainieren

Egal ob Roman, Kurzgeschichte, Blogbeitrag oder Content Marketing: Schönes Texten will gelernt sein. Für mich ist es immer das schönste Kompliment, wenn ich von Lesern höre, dass sie sich in meinen Worten wiedererkennen, das Gefühl spüren, welches ich vermitteln will und es für sie nicht nur leere Zeilen sind, die meine Gedanken sang- und klanglos zusammenfassen. Ich bin selbst ein sehr kritischer Leser, aber noch viel penibler bin ich als Schreiberling: Dabei geht es in erster Linie nicht mal darum, dass Rechtschreibung, Grammatik & Interpunktion stimmen müssen (auch wenn diese Bereiche natürlich nicht vernachlässigt werden sollten). Viel mehr möchte ich eine angenehme Freude beim Lesen empfinden, nicht darüberstolpern oder mich durchquälen müssen – es soll einfach passen. Natürlich hat hier jeder seine eigenen Vorlieben und bevorzugt einen bestimmten Schreibstil, aber dennoch kann zumindest ein gewisser Standard erreicht und – vor allem! – gelernt werden!

Continue Reading

Mystical Places: Quinta da Regaleira

Die Stille um sie herum ist beinahe greifbar. Das Einzige, was sie hört, ist das immerwährende Schlagen ihres eigenen Herzens. Schnell und stetig in ihrer Brust zeigt es auf, was sie schon längst tief in ihrem Inneren spürt, das, was sie nicht abschütteln kann: Sie ist aufgeregt, nervös. Vielleicht ist es sogar irgendwie die Angst, die sie immer weiter antreibt und nicht stehen bleiben lässt. Die Angst, dass es bereits zu spät sein könnte. Bemüht lautlos geht sie weiter, tiefer in die Dunkelheit und weg von dem hell erleuchteten Gebäude, das sie seit Kindestagen zuhause nennt. Sie kennt den riesigen Garten in- und auswendig – jeden Stein, jede Treppe und jedes Wasserloch und dennoch herrscht eine gewisse Vorsicht in ihrem Gang. Ihr Ziel ist zum Greifen nah, es kann sich nur noch um wenige Minuten handeln. Und dann, dann hält sie plötzlich inne. Bleibt auf der Stelle stehen und beißt sich unweigerlich und unsicher auf die Unterlippe. Es tobt ein Kampf in ihr, von Herz & Kopf, wie ein Sturm der nicht zu bremsen ist und der Puls steigt und steigt. Sie schließt die Augen, atmet tief durch und kommt nicht umhin, über sich selbst zu urteilen. „Feigling“, murmelt sie und ballt die Hände zu Fäusten. Sie zwingt sich langsam weiterzugehen. Ein Schritt – einatmen, wieder ein Schritt – ausatmen. Wie ein Mantra wiederholt sie den Vorgang, bis sie endlich vor dem leeren Brunnen steht, einem der Zugänge zu den vielen unterirdischen Gänge des Anwesens und der lange vor ihrer Geburt errichtet wurde. Noch immer ist es mucksmäuschenstill um sie herum und für einen Moment kommt ihr der Gedanke, dass sie vielleicht wirklich allein ist. Das er vielleicht gar nicht hier ist, nicht wie versprochen auf sie wartet. Langsam geht sie die steinernen Treppen hinab, sie wagt es nicht einen Laut von sich zu geben, geschweige denn, seinen Namen zu rufen. Und dann hört sie es endlich, das vertraute Flüstern – direkt vor ihr, in der Dunkelheit. Plötzlich steht er da und ihr Herz scheint mit einem Mal zu explodieren. „Ich dachte schon, du würdest nicht kommen.“ …

Es gibt sie – diese speziellen Orte, die etwas in mir auslösen. Man könnte es beinahe als Unruhe bezeichnen, weil es dazu führt, dass ich ungeduldig und irgendwie nervös werde, wenn ich nicht die Möglichkeit habe, es loszuwerden. Es sind Orte, die vor Inspiration nur so schreien, die auf ihre ganz eigene Art und Weise dazu führen, dass ich mich auf der Stelle hinsetzen und schreiben möchte. Sie transportieren ein besonderes Gefühl, das beinahe mit Magie gleichzusetzen ist. Einer dieser Orte ist „Quinta da Regaleira“ in Sintra, Portugal. Es ist noch keine Woche her, dass ich mich zusammen mit meinem Liebsten in den Zug in Lissabon gesetzt habe und nach etwa einer Stunde vor den eisernen Toren dieses Schlosses stand und vom ersten Moment an sprachlos war. Selten hat mich meine Umgebung bisher so in den Bann gezogen, wie diese – märchenhaft und zugleich mystisch beschreiben den Garten und die portugiesischen Bauten wohl am besten und ich fühle mich immer noch irgendwie geflashed davon. Selbst jetzt, wenn ich die Fotos von diesem Tag nochmals betrachte, komme ich nicht umhin, eine Geschichte in meinem Kopf zu spinnen..

sintra-quinta-da-regaleira-0421

sintra-quinta-da-regaleira-0443

sintra-quinta-da-regaleira-0490

sintra-quinta-da-regaleira-0500

sintra-quinta-da-regaleira-0509  sintra-quinta-da-regaleira-0559

sintra-quinta-da-regaleira-0571

sintra-quinta-da-regaleira-0620

sintra-quinta-da-regaleira-0543

sintra-quinta-da-regaleira-0675

Wie genau ihr nach Quinta da Regaleira bzw. Sintra von Lissabon aus kommt, lest ihr in meinem Lissabon Travel Diary in den nächsten Tagen. Ich kann euch auf alle Fälle verraten: Es ist die Reise wert.

Continue Reading

Die Zuflucht in Geschichten

„Es tut mir wirklich leid, aber.. ich empfinde einfach nicht mehr für dich, außer Freundschaft. Ich mag dich wirklich, wirklich sehr gern – aber eben nur als Kumpel..“ Ich lese seine Nachricht wieder und wieder und ich spüre den Riss in meinem Herzen, den Klumpen im Hals und das Zittern in den Fingern. Kurz überkommt mich das Bedürfnis, das Handy in meinen Händen gegen die Wand zu schmeißen, zu schreien und zu stampfen und mir all den Kummer von der Seele zu reißen – aber ich zögere, will nicht, dass meine Familie mitbekommt, was los ist. Ich will kein Mitleid und keine unangenehmen Fragen. Und in diesem Moment höre ich das Brechen meines Herzens, weil es so laut ist. So unglaublich schmerzhaft.

Continue Reading

When we met

Es war der vierte Becher Kaffee, den ich mir an diesem Tag holen wollte und die Uhr zeigte bereits nach 19:00 Uhr an. Durch die spätere Stunde war der Coffeeshop an der Ecke wie leer gefegt, ich war mir anfangs nicht einmal sicher, ob er überhaupt noch geöffnet hatte. Normalerweise war ich hier eher nachmittags anzutreffen, aber heute war einer dieser Tage, an dem alles nicht normal war. Mit Erleichterung erkannte ich, dass der Laden noch ein paar Minuten geöffnet hatte – ich zog an der verglasten Eingangstür und trat ein. Mein Blick schweifte wahllos durch das kleine Café – von den Barhocker-Plätzen direkt an der Glasfront, über die zwei kleineren und einzigen Tische an der Wand gegenüber davon. Trotz des großen Schaufensters und der gläsernen Tür war das Licht stets schummrig hier drinnen, die Atmosphäre immer dieselbe – leuchtend und angenehm und irgendwie geheimnisvoll. Die Dunkelheit der anfänglichen Nacht unterstrich das Ambiente nochmal auf besondere Art und Weise.

Continue Reading