Single Mädchen oder Girlfriend Vibe

„Du verstehst das nicht, du hast doch schon so lange einen Freund.“

Bumm. Es ist ein Schlag in die Magengrube, ohne das ich zuvor wusste, dass mich so eine Aussage auf eine verquere Art und Weise treffen könnte, aber sie tut es. Indirekt direkt und ich halte in meinem Satz inne und blicke sie verdutzt an. „Was?“ „Ja, du bist ja schon ewig nicht mehr Single gewesen, du siehst das alles einfach anders.“ Andere, verletzendere Worte hängen wie eine dunkle Wolke über uns in der Luft. Worte, die sie nicht wirklich ausspricht, die aber jeder von unserer 5-köpfigen Mädelsrunde laut und deutlich hören kann.  Es steckt eine Art Vorwurf dahinter, der Vorwurf, dass ich als Beziehungsmensch keine Ahnung mehr vom Single Mädchen Dasein habe und mir deswegen auch nicht herausnehmen kann, es zu beurteilen. „Ich will einfach meinen Spaß haben, Männer tun das doch auch“, erklärt sie weiter. „Ja, und?“ Stirnrunzelnd blicke ich sie an, für sie scheinbar ein Zeichen dafür, mir noch mehr Argumente zu liefern, warum ihr Lotterleben so großartig ist und ich das nur nicht gutheiße, weil ich seit 6 Jahren in einer Beziehung bin. „Ja und du scheinst das nicht zu verstehen“, blickt sie nervös von mir zu den anderen, wartend auf eine Bestätigung, den Rückhalt einer zweiten Person. „Und ob ich das verstehe – ich war auch mal Single und bin das ganze Wochenende unterwegs gewesen und hab die Nächte durchgefeiert. Aber das muss ja nicht mit 2 wöchentlichen One-Night-Stands und wechselnden Freundschaft-Plus-Beziehungen einhergehen.“ Sie seufzt genervt und rollt mit den Augen. Ihr gehen die Argumente aus. „Du verstehst das wie gesagt einfach nicht. Das ist was anderes.“ Und mit einem Mal werde ich irgendwie wütend. Wütend darüber, in eine Schublade gesteckt zu werden, während man mir erklärt, dass ich nicht in Schubladen stecken soll. Wütend, dass ein freundschaftlicher Rat und eine eigene Meinung als Vorurteil und Missbilligung, als Kritik an der Person abgestempelt werden – und man weiterhin mit Scheuklappen durchs Leben zieht. Und ich fahre aus der Haut.

„So ein Blödsinn! Ich bin in einer Beziehung und kein Alien von einem anderen Stern. Bitte, geh hinaus in die Welt und hab Spaß. Hab all den Spaß, den du meinst in den letzten Jahren verpasst zu haben – ich bitte dich wirklich darum! Aber halte dennoch an deiner Person fest. Ob du es glaubst oder nicht, aber ich kenne dich. Ich weiß, früher oder später könntest du den einen oder anderen Schritt bereuen und wenn ich sage, dass du auf die Bremsen treten solltest, meine ich das weder abwertend, noch verurteilend. Ich meine schlicht und einfach: Denk nochmal drüber nach, bevor du handelst. Wäge ab, denk an dich und wer du bist und vor allem lebe mit der Meinung anderer. Fühl dich nicht gleich beleidigt oder runtergemacht. Lass dich von der neuen Situation nicht blenden. Allein schon deiner Verteidigung wegen gehen bei mir Alarmglocken los. Ich hab dich nicht einmal heute um Argumente gebeten, sondern darum, einen Rat einer guten Freundin anzunehmen. Single Mädchen oder Langzeitbeziehung hin oder her. Ich bin erster Linie eine Person, die dich kennt und liebt und meine Beziehung definiert mich nicht.“

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Ich liebe meinen Freund über alles, ich bin gerne in einer Beziehung. Ich bin nicht mehr das Partygirl von früher – dazu fehlt mir inzwischen die Puste und ich bevorzuge jedes Dinner mit Freunden (und viel Wein) und jeden gemütlichen Kinoabend (und viel Popcorn) einem aufregenden Club-Besuch (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ja, dies mögen Klischees des Erwachsenwerdens oder die Folgen einer Langzeitbeziehung sein, nichtsdestotrotz scheint es auch eine andere, eine unausgesprochene Konsequenz nach sich zu ziehen: Man gehört jetzt gefühlt einer anderen Spezies an.

Es fängt schleichend an – zum Beispiel damit, dass man nicht mehr zu der typischen Partyrunde der Clique gehört und irgendwann auch nicht mehr in die dazugehörige Wochenendplanung miteinbezogen wird. An sich easy zu verkraften, immerhin sagt man des Öfteren sowieso ab (wir erinnern uns an das Dinner und Kino) und im Zweifelsfall funktioniert das Telefon in beide Richtungen und generell kann sollte man sich auch von selbst einklinken können. Bei den meisten Freundinnen von mir ist das auch das Einzige, was sich irgendwie verändert hat. Aber es gibt auch eine Variante, die noch weitergeht. Für jene Freunde wirst du dann zum fantastischen Phänomen, weil du jetzt eben andere Beschäftigungen am Wochenende vorziehst und generell, hast du keine Ahnung von dem Leben da draußen, weil du deines ja nur mit Netflix und deinem Freund auf der Couch verbringst. Und sowieso, bist du dann irgendwann auch mit dem „Keuschheit“-Stempel versehen, immerhin könntest du jeden Moment einen Ring am Finger tragen, weil du dich seit gefühlten Ewigkeiten an denselben Mann bindest und alles andere verteufelst – zumindest in der Vorstellung der Anderen. Und am Ende ist es dann irgendwann nur noch aus der Ferne betrachtet eine Freundschaft, viel mehr als Smalltalk verbindet euch dann bei einem Treffen nicht mehr, hin und wieder schwelgt man dann noch in Erinnerung, aber grundsätzlich geht es nicht mehr tiefer, geht nicht mehr ins Herz und früher oder später trennen sich die Wege dann sowieso ganz.

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An diesem Abend reden wir nicht mehr darüber, was gut oder schlecht ist; wer welche Wertvorstellungen vertritt und das eigentlich gar nichts böse gemeint ist oder verletzend sein soll. Und genau das ist es, was mir auch um 2:00 Uhr morgens, in einem Club mit einem Drink zuviel und aus der Nähe betrachtet, klar werden lässt: Unsere Wege haben sich getrennt.

Fotos: Nina Radman, berriesandpassion.com

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12 Comments

  • 9 Monaten ago

    haha ich kenne das, ich bevorzuge auch einen gemütlichen abend mit Wein anstatt Clubabende :)
    schön geschrieben :)
    glg katy

    LA KATY FOX

    • kathaistfroh
      9 Monaten ago

      Ich auch! Und ich bin Single … :)

  • 9 Monaten ago

    Man merkt, dass dir das Thema nahe geht und du dich ungerecht behandelt fühlst. Ich glaube Menschen fühlen sich schnell angegriffen, wenn sie selbst wissen, dass sie eigentlich im Unrecht sind. Vielleicht ist es deiner Freundin genauso ergangen. Aber ich kann auch verstehen, dass sie denkt, dass du sie nicht nachvollziehen kannst. Mittlerweile bin ich seit 3 Jahren Single und wenn man Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit hat, ist das nicht so einfach, wie wenn man in einer Beziehung ist. Das ist mir sehr bewusst geworden, als ich über das gleiche Thema mit einer Freundin, welche in einer Beziehung steckt, und mit einer Single-Freundin besprochen habe.

    Liebe Grüße,
    Vita

    • 9 Monaten ago

      Ja, das stimmt.
      mhh es geht mir weniger darum, Recht haben zu wollen oder Recht zu geben – mehr darum, dass man alle Meinungen akzeptieren und gerade Gegensätzliche in Betracht ziehen sollte. Bei dem von dir erwähnten Beispiel zum gleichen Thema mit den beiden verschiedenen Ansichten: Ein Thema, zwei Blickwinkel. Eine davon vlt zu unvernünftig, die andere vlt zu vernünftig, also vlt damit sogar die goldene Mitte. :) Aber ich würde eben keine der beiden Ansichten in Frage stellen, nur weil die Situation der Person anders ist – weißt du, was ich mein?

      Liebe Grüße,
      Denise

  • Anna
    9 Monaten ago

    Liebe Denise,

    mit diesem Beitrag sprichst du mir in vielen Punkten echt aus der Seele – finde es auch echt nervig einen „in einer Beziehung“-Stempel aufgedrückt zu bekommen und damit gleich als „fad“ zu gelten.
    Wirklich gut und vor allem mit viel Ehrlichkeit geschrieben :)

    Alles Liebe,
    Anna

  • 9 Monaten ago

    Du spricht mir damit wirklich aus der Seele. Schön zu wissen,
    dass es mehrere gibt die solche Art von „Freunden“ haben bzw. hatten.

    Liebe Grüße,
    Mara von http://missmarablog.blogspot.co.at/

  • 9 Monaten ago

    Liebe Denise, was du da schreibst habe ich vor gar nicht mal zu langer Zeit ähnlich erlebt. Ich „überhöre“ so etwas eigentlich meistens, aber es ist schon verletzend, weil da oft auch so etwas abwertendes mitschwingt. Ob das jetzt so gemeint war oder nicht…Auf jeden Fall sehr gut geschrieben, in deinem Text werden sich bestimmt ein paar Mädels wiederfinden :) Liebe Grüße, Julia

  • 9 Monaten ago

    Ein wunderschöner Text! :) Und ich finde mich, wie viele vermutlich, darin wieder.
    Diese Vorurteile, man wäre ein komplett anderer Mensch geworden, obwohl sich schlichtweg die Interessen
    verschoben haben.
    Wie du sagst, manche Wege trennen sich und das ist auch völlig in Ordnung.

    Wishes, Kat

  • Alexandra
    9 Monaten ago

    Es stimmt aber dass sich die Interessen und Gesprächsthemen komplett auseinander gehen.
    Meine Mädels und ich waren früher immer zu 5. unterwegs. Seit 1,5 Jahren bin ich nun als einziger Single in unserer Mädelsgruppe und ich muss sagen – wir bewegen uns immer mehr von einander weg.
    Ich würde gerne mehr unternehmen und hierzu zählt nicht nur die Disco – ich spreche hier von Kino oder einen Cocktail trinken gehen. Aber alle meine Freundinnen sind im „Pärchenmodus“ angelangt und unterstellen mir ich hätte ein langweiliges Leben weil ich doch Single sein. Meine Einwende, dass man als Single auch ein tolles und erfülltes Leben haben kann werden belächelt und mir vorgehalten ich würde mir alles doch nur schönreden und das einzige erstrebenswerte im Leben sei, einen Partner zu finden um ja nicht alleine zu sein.
    Also ja ich würde auch sagen, dass es dann doch unterschiede macht zwischen Beziehung und Single. Meine ich aber nicht negativ – dies ist einfach der Lauf der Zeit.
    Das Abwertende was du als Beziehungsmensch zu hören bekommst bekomme ich einfach als Single zu hören….

    LG Alexandra

    • 9 Monaten ago

      Stimmt, auch diese Seite gibt es natürlich und finde ich nicht weniger unangebracht und verurteilend – ich bin an sich sowieso kein Fan von den „Wir“-Pärchen und eben jenen, die sich über ihren Beziehungsstatus definieren (ob jetzt vergeben oder Single). Wir sollten uns nie in einer Partnerschaft verlieren, finde ich, und es tut mir leid zu hören, dass du dir auch sowas anhören musst. Manche Menschen werde ich einfach nie verstehen.

  • 9 Monaten ago

    Hm, ich finde sowas ist ja ein zweischneidiges Schwert. Man kennt seine engeren Freunde ja recht gut und möchte, dass es ihnen gut geht und sie schöne Erfahrungen machen und tolle Erlebnisse haben. Außerdem gehört es zu einer guten Freundschaft, Warnungen und Skepsis aussprechen zu können und zu sollen, wenn man erklären kann, woher sie kommen und was man befürchtet für den anderen.
    Dennoch ist es auf der anderen Seite auch stets ein Eingriff in das Leben und die Entscheidungsfindung des anderen, wenn man (manchmal ja auch unaufgefordert) seine externe Sichtweise kundtut und einen Ratschlag gibt und dann, und das finde ich das entscheidende, erwartet, dass er letztendlich angenommen und umgesetzt wird. Das ist jedenfalls für mich selbst manchmal ein Problem: Meinungen anderer anhören, gerne, diverse Blickwinkel einnehmen und nachvollziehen, gern; meine Entscheidung kann am Ende aber dennoch eine andere sein, als meine Freunde sie treffen würden. Das muss dann auch akzeptiert werden, auch wenn sie denken, es passe nicht zu mir oder ich mache mir da gerade selbst etwas vor. Ich empfinde diese Akzeptanz dann als eine Frage des Respekts. Falls ich mit meinen neuen „Wirrungen“ auf die Nase falle, lerne ich hoffentlich daraus und hoffe, immer noch meine Freunde im Rücken zu haben, die dann gerne mit den Augen rollen dürfen, mich aber immer noch mögen. Ich finde, der Respekt, den man anderen entgegen bringen muss, die es gut mit einem meinen und helfen wollen, gebührt einem selbst beim Entscheidungen treffen und (vorübergehenden?) Lifestyleführen in gleichem Maß. Natürlich kann man sagen, die Person, zu der sie sich entwickelt, ist keine mehr, mit der du dich verbunden fühlst und befreundet sein möchtest oder kannst. Aber man muss auch immer im Hinterkopf haben, welche inneren Kämpfe jeder einzelne Mensch mit sich austrägt, von denen man einfach keine Ahnung hat. Wenn sie sich verurteilt fühlt, hängt das vielleicht auch mit einer bestimmten Wortwahl ihr gegenüber zusammen, Mimik, etc., die sie einfach entsprechend deutet (ob berechtigt oder unberechtigt). Der Vorwurf kann auch einfach nur Unsicherheit bedeuten, dass sie sich selbst unklar ist und ihren Männerverschleiß z. B. „schäbig“ findet oder Angst hat, dafür verurteilt zu werden. Vielleicht passt das ganz ursprünglich zu ihr und sie hat sich bislang nie getraut, dem nachzugehen und dazu zu stehen und hat nach vorne heraus andere Meinungen vertreten. Ich selbst erzähle sowas z. B. nur Leuten, von denen ich weiß, dass ich es nicht erklären brauche, wieso ich das gerade mache. Einfach weil ich da keine Diskussion möchte mit Leuten, für die ich jemand anderes bin. Das Risiko, dabei Blödsinn anzustellen, der mir am Ende wehtut, ist für Freunde zwar natürlich schwierig zu beobachten und hinzunehmen; letztendlich müssen sie es aber, finde ich. Man muss bei sowas einfach sehr sensibel formulieren und stets im Hinterkopf behalten, dass man als Freund nur „Gast“ im Leben des anderen ist und kein Bestimmungsrecht hat. Ich persönlich fände es auch von meinen Freunden irgendwo anmaßend, wenn sie mir einen Ratschlag geben wollten mit dem Hinweis als Argument, sie würden mich ja so gut kennen. Das impliziert, dass sie mich besser kennen als ich mich selbst. Und das würde mir selbst auch sehr, sehr aufstoßen. Immerhin traut man mir da gerade nicht zu, dass ich (zumindest für den Moment, aber auch für eine längere Zeit) Entscheidungen treffen kann, die für mich richtig sind und mir in verschiedener Hinsicht (gerade oder länger) etwas geben und gut tun.
    (Das nur als Überlegung, wieso sie sich so angegriffen fühlt).

    Und auch wenn Freunde einen natürlich gut kennen; es gibt immer Winkel in einem, die Außenstehende einfach nicht kennen und nicht erfühlen können – das ist normal und gut so (meiner Meinung nach). Man kann ja auch mal aus seiner Persönlichkeit ausbrechen, vielleicht entdeckt sie gerade etwas an sich, das sie vorher nicht ausgelebt hat oder entwickeln konnte. Das allein widerspricht finde ich noch nicht gleich ihrem bisherigen Ich und Charakter, mit dem du befreundet bist/warst.
    Und genauso kann man sich ja auch verändern und andere Bedürfnisse und Wünsche entwickelt haben, als man sie die vergangenen Monate und Jahre hatte. Das kann der Person, die du kennengelernt hast, auch widersprechen, und auch wenn man das vielleicht nicht gerne sieht, ist es legitim.

    Ihre Kritik dir gegenüber damit zu untermauern, du hättest keine Ahnung, weil du nicht Single bist, finde ich auch recht schwach und schade. Vielleicht möchte sie da gerade was neues mit sich ausprobieren und wünscht sich einfach nur, dass jemand neben ihr bleibt, egal was sie da mit sich macht. Aber vielleicht habt ihr euch auch einfach auseinander entwickelt und habt nicht mehr so den Zugang zueinander. :/

    • 9 Monaten ago

      Hallo Susanne!
      Da hast du natürlich mit allem Recht – hier fehlt aber (ohne mich bzw. meine Aussage verteidigen zu wollen) das gesamte Gespräch und der Hintergrund dazu. Alles in allem ging es auch nicht darum, dass sie den Rat annehmen MUSS oder ich Recht haben wollte – es stimmt, man verändert sich und die eigenen Prioritäten und man muss seine eigenen Fehler machen und kennt sich selbst am besten; da steh ich auch voll dahinter. Es war hier mehr das, dass sie meine Meinung bzw. meinen Rat gar nicht erst hören wollte, weil ich a) gegen ihre Taten/Entscheidungen war und b) ich eben ein anderes Weltbild habe „weil ich nicht Single bin“.

      Und definitiv: Es gab natürlich noch andere Faktoren, die hier zu den getrennten Wegen geführt haben. Für mich war das hier nur die Situation bzw. Argumentation und Wortwahl, die mir auf bittere und schmerzhafte Art und Weise klar gemacht hat, dass die Freundschaft, die uns mal verband nicht mehr wirklich da war. Es ist dieser eine traurige Moment, der dir immer in Erinnerung bleiben wird und den du vermutlich auch nie vergessen wirst und den ich deswegen auch auf „Papier“ bringen musste.

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