Interview mit Scott Eastwood zu Fast & Furious 8

Unter Herzklopfen lege ich das Telefon auf und mit einem Mal stehe ich mit einem riesigen Grinsen da und am liebsten hätte ich gekreischt und die ganze Welt umarmt – stattdessen beschränke ich mich auf ein ferkelähnliches Quietschen, so dass mich meine Begleiter zumindest schräg von der Seite betrachten und mir ihre Aufmerksamkeit genügend zuteilwird und ich ihnen die Neuigkeit brühwarm und voller Aufregung erzählen kann: Ich werde Scott Eastwood im Rahmen des neuen Fast & Furious 8* interviewen. In etwa einer Woche. In London.

Es ist mitten in der Nacht – gefühlt 2 oder 3 Uhr morgens – und ich liege hellwach im Bett. Links von mir schläft mein Freund tief und fest, rechts von mir höre ich das leichte Schnarchen von meinem Hund. In zwei Tagen geht meine Reise los und seit dieser Tag in richtig greifbare Nähe gekommen ist, fällt mir das seelenruhige Schlafen schwer. Denn, immer dann, wenn ich Zeit habe meine Gedanken zu ordnen und von vollkommener Stille umgeben bin, denke ich an das bevorstehende Interview. Gehe im Kopf meine vorbereiteten Fragen durch, stelle mir mögliche Antworten vor und kriege unweigerlich ein leichtes Herzrasen, welches Schlafen einfach fast unmöglich macht. Und da ich weiß, dass ich die nächste halbe Stunde auch nicht ruhiger sein werde, schnappe ich mir mein Handy und stalke wieder die Social Media Kanäle von Scott Eastwood.

Das Flugzeug ist alles andere als voll, der Sitz neben mir ist leer und durch das kleine Fenster scheint die Mittagssonne. Gerade amüsiere ich mich über mich selbst, da ich es doch vollbracht habe, meine Handgepäckskoffer trotz mehrerer Hinweise genau falsch in die Ablage über mir abzulegen und ich jetzt den Platz von drei Personen darin beanspruche. Alleine zu verreisen und zu fliegen ist im Gegensatz zum letzten Jahr nichts Besonderes mehr für mich. Im Gegenteil! Ich genieße die Ruhe und nutze die Zeit, die ich von A bis B benötige, meist für die Arbeit oder mein Buch. Die Nervosität, ob ich es schaffe mich alleine vom Flughafen bis in die Stadt durchzuschlagen, gibt es eigentlich gar nicht mehr – zur Not kann immer noch ein Taxi gerufen werden.

Im Presse-Hotel bleibt mir etwa eine Stunde, um Mails zu checken und mich frisch zu machen. Mein Ziel des Abends: Universal Pictures UK in London, wo das Press Screening vom neuen Fast & Furious 8 in den firmeneigenen Kinosälen stattfindet. Damit bin ich tatsächlich die erste Person in Österreich – abgesehen von den Universal Mitarbeitern -, die den Film überhaupt in fertiger Fassung zu Gesicht bekommt. Angekommen heißt es deswegen erstmal auch ein Embargo zu unterschreiben. Keine Seltenheit bei Pressevorführungen, die nicht zeitnah an der eigentlichen Premiere stattfinden – einfach damit nichts vorher an die Öffentlichkeit gerät. Teilweise werden auch mal die Handys eingesammelt, fast immer gibt es eine Aufsichtsperson im Kino. Und mein ausführliches Review zu Fast & Furious 8 folgt natürlich noch, aber so viel sei schon mal gesagt: Er lässt sich definitiv sehen!

Zurück im Hotel beginnt das neue Spiel der nervösen Schlaflosigkeit, also gehe ich zum gefühlt dreitausendsten Mal meine vorbereiteten Fragen für Scott Eastwood durch und zermartere mir zum viertausendsten Mal den Kopf darüber, welche Art von Interviewer ich überhaupt sein will: Charmant und (versucht) witzig, tiefsinnig und ernst oder mit einem gewissen Schalk? Irgendwie möchte man zwischen den dutzenden Presseterminen und Journalisten ja zumindest versuchen einen Eindruck zu hinterlassen (wenn möglichst positiv).

Um 13:30 Uhr Ortszeit beginnt am nächsten Tag im Hotel Corinthia der Pressetermin. Immer noch sichtlich nervös wusele ich den ganzen Vormittag mehr in meinem Zimmer herum, als wirklich produktiv zu arbeiten und beende es daher auch vorzeitig und mache mich wieder zu Fuß auf den Weg zum anderen Hotel. Und dann beginnt das Ganze fast wie in einem Film abzulaufen. Ich habe bereits im Vorhinein die Info bekommen, in welches Zimmer ich muss. Der erste und einzige Hinweis darauf, was sich an diesem Tag hier Aufregendes abspielt, gibt es direkt vor dem Zimmer in Form eines Filmplakats. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, als ich es schon von Weitem entdecke. Zusammen mit mehreren Journalisten aus der ganzen Welt melde ich mich für das Interview mit Scott an und warte anschließend, bis ich zu meinem Slot von 10 Minuten ausgerufen werde. Die Warterei ist gleichzeitig eine Tortur und Erkenntnis: Die Journalisten kennen sich großteils schon länger, unterhalten sich über ihre weiteren Termine, Reisen und zukünftige Filme und nach und nach auch darüber, wie der auch ihnen unbekannten Interviewpartner wohl drauf ist. Ist er gut gelaunt? Ist er in Erzählstimmung? Beantwortet er Fragen zu seinem Dad?

Und dann ist es soweit. Mein Name wird aufgerufen, eine nette Dame mit einem Headset begleitet mich zu einem anderen Zimmer und ich frage sie nach ein paar Inputs, was jetzt genau passiert und gebe zu, dass es mein erstes Mal ist. „Oh love, you don’t need to be nervous! It’s totally fine“, beginnt sie und erklärt mir, was als nächstes passiert. Ich warte noch 2-3 Minuten vor der Tür, bis sie sich öffnet und betrete dann den abgedunkelten Raum und werde Scott vorgestellt – bereits beim Hallo geb ich zu, nervös zu sein, was glücklicherweise der absolute Ice Breaker ist, weil mir daraufhin er und sein Team im Raum versichern, dass sie versuchen werden, dass ich mich wie zuhause fühlen werde. Daraufhin fragt er mich auch gleich, ob ich auch einen Orangensaft haben möchte, was ich zwar verneine (allein schon aus Angst, mich anzuschütten), mich aber automatisch ein wenig beruhigt.

10 Minuten später ist das ganze Schauspiel bereits vorbei und ich traue mich noch zu fragen, ob er mit mir einen Boomerang machen möchte. Eine Idee, von der auch er begeistert ist, da er selbst sehr aktiv auf Instagram und Facebook unterwegs ist. Und ich freue mich einfach wie ein kleines Kind, dass er ja gesagt hat und versuche nicht zu breit zu grinsen vor Freude und einen Wimpernschlag später drückt mir das Filmteam zwei Speicherkarten in die Hand und ich verabschiede mich noch bei den anderen Journalisten und den Mitarbeitern von Universal vor Ort und trete in die kühle Londoner Luft hinaus.

Erst am Tag darauf, als ich zum ersten Mal das Videomaterial selbst sichte, realisiere ich, was hier gerade wirklich passiert ist. Das ich gerade einen Hollywood-Schauspieler in London interviewt habe. Und dabei gefühlt viel zu oft „cool“ gesagt und nervös gelacht habe. Aber seht selbst:

*Mit freundlicher Unterstützung von Universal Pictures Austria

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