Gewusst wie: Studienbeginn & Studienanfänger

6. April 2015

Ich muss gestehen: Vor 5 Jahren im Oktober 2010, da habe ich tatsächlich den Einführungstag für das Bachelorstudium der Germanistik an der Universität Innsbruck geschwänzt. Weil ich meine Pizza fertig essen wollte & ich der Ansicht war bzw. bereits gehört hatte, dass diese Einführung mehr schlecht als recht wirkliche Informationen hergab. Ich kann also tatsächlich nicht sagen, ob es für das Studium der Germanistik in Innsbruck oder für irgendein anderes Studium in Österreich eine gscheite Einführung gibt. Aber dennoch weiß ich: Es gibt Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte. Die mir Stress und Panik erspart hätten und im Nachhinein absolut logisch sind, aber mir als damaliger Grünschnabel in Sachen Studium nicht bewusst waren. Insofern ihr nicht ein duales Studium absolviert oder eine Fachhochschule besucht, unterscheidet sich der Alltag als Student zu dem eines Schülers nämlich wirklich immens. Mir war natürlich im Vorhinein klar, dass es Unterschiede zwischen der Schule und der Universität gibt: Als Schüler muss man in Bezug auf die Organisation im Grunde genommen nichts selbst machen. Du gehst morgens zur Schule und bekommst in jedem Schulfach (normalerweise) genau gesagt, was du zu tun hast, um zu bestehen. Es gibt immer wieder Termine für Tests und Schularbeiten und eine Woche davor erhält man den genauen Stoff dafür. Nach 1, maximal 2 Jahren hat man ein Gefühl für die Lehrer, man weiß ungefähr, wie viel und was gelernt werden muss. Dieser Punkt gehört wohl zu den angenehmsten Vorteilen des Schüler-Daseins. Im Studium musst du dir grundsätzlich ALLES selbst organisieren. Die große Unbekannte „Studium“ hat mich also ab und an (vor allem am Anfang) ziemlich eingeschüchtert und nervös gemacht. Bereits als Schülerin hatte ich immer großen Respekt vor’m Studieren – aus dem einfachen Grund, dass ich keine Ahnung hatte. Deswegen gibt es jetzt von mir – klipp und klar – 5 Dinge, die ich gerne vor meinem Studienbeginn gewusst hätte.

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Es gibt in Österreich mehr als nur 1 Prüfungstermin in einem Semester
Für Vorlesungen gibt es grundsätzlich immer mehr als einen Prüfungstermin pro Semester, der erste Termin findet eigentlich immer am letzten Vorlesungstermin statt. Im Wintersemester (Oktober bis Januar) folgt der 2. etwa einen Monat später und der dritte Prüfungstermin wieder etwa 1-2 Monate später. Manche Dozenten bieten teilweise sogar einen 4. oder 5. Termin an! Im Sommersemester (März bis Juni) sind die Abstände zwischen den Prüfungsterminen sogar noch größer: Der 2. Termin kommt zum Ende der Sommerferien und der 3. vor oder nach der Weihnachtszeit – je nachdem, wie viele Prüfungstermine es insgesamt gibt. Nutzt diese verschiedenen Möglichkeiten! Ich war mir wegen der verschiedenen Prüfungstermine unsicher, dachte als Frischling sogar, dass das einfach die Termine für jene sind, die beim ersten Mal durchfallen (wofür sie übrigens zusätzlich gedacht und nützlich sind). Aus diesem Grund habe ich anfangs alle Examen für die besuchten Vorlesungen eines Semesters in einer Woche angelegt. Mein Rekord liegt bei 9 Prüfungen in einer Woche. Ich war ein nervliches Frack. Jetzt mache ich zum Semesterende – je nach Anzahl der verschiedenen Kurse – 2-3 Prüfungen & den Rest zu späteren Terminen.

Du musst nicht die gesamte Literaturliste eines Kurses besitzen
Heute muss ich über mein Unwissen von damals einfach den Kopf schütteln, oder auch lachen. Oder beides. Vor dem offiziellen Beginn meiner Karriere als Student war ich übelst motiviert richtig durchzustarten. Aus diesem Grund habe ich jegliche Information zu meinen ersten Lehrveranstaltungen förmlich aufgesaugt. Darunter befanden sich auch diverse Listen mit Literatur: Pflichtlektüre, empfohlene Werke und zu besprechende Autoren in den Kursen. Ich hab sie alle gekauft. Alle. Hat dementsprechend gekostet und war dementsprechend unnötig und sinnlos. Erkannt habe ich meinen Fehler dadurch, dass in der ersten Einheit eines Seminars die kopierte Version eines Kapitels ausgeteilt wurde, von eben genau jenem Buch, dass ich 3 Wochen zuvor unter anderem bestellt hatte. Es blieb bei einem Kapitel aus der gekauften Literatur, das auch wirklich besprochen wurde. In den darauffolgenden 4 Jahren habe ich keine Literatur mehr selbst gekauft, höchstens ausgeliehen. Nicht nur mein verletzter Stolz wurde dadurch besänftigt, auch meine Geldbörse dankte es mir. Natürlich ist das nicht die Regel, es kommt immer auf Studium, Dozent und Kurs an. Dennoch gilt: Wartet immer die ersten Einheiten ab, bevor ihr eure Bibliothek aufstockt.

Kurs ist nicht gleich Kurs: Von VO, PS, KO & mehr
Der entscheidene Unterschied zwischen allen verschiedenen Arten von Lehrveranstaltungen in eurem Studium ist vor allem einer: Ist der Kurs Prüfungsimmanent oder nicht? Prüfungsimmanent bedeutet im Grunde genommen, dass für den positiven Abschluss eines Kurses nicht nur das erfolgreiche Ablegen einer Prüfung oder Verfassen einer Arbeit notwendig ist, sondern auch die blosse Anwesenheit zählt. Es gilt also Anwesenheitspflicht. Normalerweise sind – zumindest in den Studien, die ich kenne – nur VOrlesungen ohne Platzbegrenzung und Anwesenheitspflicht. Sprich: Es interessiert eigentlich niemanden, ob und wie oft du die Vorlesung besuchst. Anders sieht es jedoch bei SEminaren, ProSeminaren, KOnversatorien und UEbungen aus (diese Kurse können übrigens auch alle kombiniert auftreten). Auch bei einer Vorlesungen ist es sinnvoll, immer die erste Einheit zu besuchen. Ihr werdet schnell erkennen, ob der regelmäßige Besuch notwendig ist (aka. weder die Unterlagen des Dozenten, noch die PPT werden den Studenten zur Verfügung gestellt oder es ist einfach so extrem interessant) oder ihr die Zeit getrost besser und sinnvoller verbringen könnt (aka. der Dozent liest 1:1 von seinen Unterlagen ab, die ihr sowieso bekommt oder der Hörsaal ist so voll, dass ihr irgendwo am Boden sitzen müsst).

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Richtig über das eigene Studium informieren & organisieren
Je nachdem, was ihr genau studieren möchtet, gibt es gewisse Dinge, die ihr bereits im Vorhinein beachten solltet: Manche Studiengänge (zum Beispiel Medizin oder teilweise auch Psychologie) verlangen eine Aufnahmeprüfung. Bei andern Studien – meist auch kultur-philologischen – ist beispielsweise auch ein Nachweis des kleinen Latinum notwendig: Wenn du also kein Latein in der Schule hattest, wirst du diese Prüfung im Laufe deines Studiums noch antreten müssen. Etwas, dass erst nach meinem Studienbeginn eingeführt wurde: STEOP. Die Studieneingangs- und Orientierungsphase soll Studenten dabei unterstützen, das für sie richtige Studium zu finden. Sie besteht aus einer Reihe von verschiedenen einführenden Lehrveranstaltungen, die einen Einblick in Inhalt und Methode eines Studiums geben. Auf gut Deutsch heißt das: Du musst diese Veranstaltungen positiv bestehen, ansonsten kannst du dein Wunschstudium an dieser Universität nicht mehr weiterführen. Und auch: Du darfst NUR diese Kurse in den ersten 1-2 Semestern belegen, der Besuch und die Absolvierung anderer Lehrveranstaltungen ist nicht möglich. Sprich: Du verlierst jede Menge Zeit. Und, auch wenn die Universitäten des Öfteren behaupten, dass die Steops es nicht zum Ziel haben, auszusortieren, so werden sie doch gerne bei überlaufenen Studien dafür genutzt.

Hilfe wird dir nicht nachgeworfen
An größeren Universitäten – wie die Universität Wien es ist – bist du eine Nummer im System. Und auch wenn es immer wieder verschiedene Einführungsveranstaltungen gibt oder auch einen Tag der offenen Tür, am Anfang bist du oft verzweifelt, hilf- oder auch planlos. Besonders dann, wenn du niemanden kennst, der an derselben Uni studiert oder denselben Studiengang belegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass andere nicht gerne helfen! Studenten sind sogar ziemlich hilfsbereit. Denn, wir waren alle mal in dieser Situation. Wir standen alle vor der Bibliothek und wussten nicht, wie das jetzt genau abläuft. Wir haben alle bereits den verschollenen Seminarraum im verwinkelten Institut verzweifelt gesucht. Wir standen alle schon mal ohne ein passendes Skript für die Vorlesungsprüfung da. Wir mussten uns alle mindestens einmal mit der Bürokratie auseinandersetzen, haben Fristen versäumt und Deadlines überschritten. Du bist nie allein. Also bitte um Hilfe – bei dem Studienkollegen, der im Seminar neben dir sitzt. In der Facebookgruppe zu deinem Studiengang (ja die gibt es und es gibt viele). Bei einem sympathischen Dozenten (aber bitte nicht unbedingt per Mail) oder der Studienservicestelle deines Studiums (jeder Germanistikstudent in Wien weiß was ich meine, wenn ich „Adis <3“ schreibe). Oder in diversen Foren, die tatsächlich noch in den weiten Welten des Internets herumgeistern. Oder auch bei mir. Bis jetzt wurde noch keinem die Hilfe und Auskunft verwehrt.

PS: Außerdem gibt es noch Tipps für den richtigen Nebenjob beim Studium und die erste Prüfungswoche!

 

PS: Ich habe zuerst Germanistik in Innsbruck & dann in Wien studiert,
jetzt mache ich meinen Master in Komparatistik an der Universität Wien.

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6 Comments

  • 3 Jahren ago

    Hi ❤ ich werde zum Wintersemester mein Architekturstudium in Innsbruck beginnen u. sauge deshalb zur Zeit alle Infos auf, die ich irgendwo kriegen kann. Also vielen Dank für deinen Post, ich werd hier auf jeden Fall öfter mal vorbeischauen ;) Liebe Grüße, Lucy ❤

    • Chris
      3 Jahren ago

      Hallo Lucy!
      Freut mich, dass er dir hilft – viel Spaß & Glück (und Motivation :D) für dein Studium :)

  • Doris
    3 Jahren ago

    Auch wenn ich seit vergangenem Jahr mit meinem Studium fertig bin, find ich deinen Post sehr nützlich für jene, die diesen Lebensabschnitt noch vor sich haben! Tolle Idee!

    Und: Thomas Adis ist einfach der Beste. Wenns ihn nicht mehr gibt, kann die Germanistik zusperren ;)

    LG Doris

    • Chris
      3 Jahren ago

      Danke, das freut mich! :)
      haha, da hast du absolut Recht!! ;)
      LG

  • Mit der Literatur war ich zum Glück von Anfang an sparsam. Man muss auch in der Literaturwissenschaft nicht jeden Roman lesen. Manchmal reicht Wikipedia auch. Und – uff, ich bin froh, dass ich ein paar Jahre früher angefangen habe. Ich hatte im ganzen Studium vielleicht zehn Prüfungen und sonst nur Hausarbeiten.

  • 3 Jahren ago

    Zu dem Thema Prüfungstermine:
    Also ich mache immer alle meine Prüfungen beim ersten Termin. 8 oder 9 Prüfungen in vier Tagen sind da ganz normal. Ich habe den Eindruck, dass ich damit um einiges besser fahre, als meine Komilitonen, die Prüfungen vor sich herschieben, weil es ja noch andere Termine gibt.

    Generell zum Thema Studium:
    Ich bin vor fast 2 Jahren von einem kleinen Kaff in Tirol nach Wien gezogen. Dort war ich vollkommen auf mich alleine gestellt und hatte auch nicht viel Ahnung, was mich erwartet. Aber ich muss sagen, gerade dieses selbst verantwortlich sein, ist etwas das ich sehr schätze. Ich bin generell der Typ, der Sachen gern selbst macht und nicht um Hilfe bittet. Nach spätestens einer Woche hatte ich alles herausgefunden, was ich für die Uni wissen musste.

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