Friends will be Friends

Es gibt diesen Moment zwischen zwei Menschen, der dafür sorgt, dass plötzlich ein besonderes Band geknüpft wird. Mit einem Mal scheint eine Verbindung auf und wenn sie auch noch so klein ist, wenn sie beachtet wird, kann sie sich zu etwas ganz Großem entwickeln und mag vielleicht sogar ein Leben lang halten.

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„Was du auch? Ich dachte ich wäre die einzige komische Person auf der Welt, die das auch mag“, lacht sie und steckt mich automatisch damit an. Ich weiß nicht, wie lange wir hier schon sitzen – lange genug zumindest, dass ich meine „Holla-Soda“ schon längst ausgetrunken und angefangen habe, am Strohhalm rumzukauen. Aber es stört mich nicht im geringsten. Seit Tagen – wenn nicht Wochen – fühle ich mich zum ersten Mal wieder richtig wohl in meiner Haut und vergesse die Sehnsucht und die Einsamkeit, die sich schon beinahe zu breit gemacht hat in meinem Leben. Eigentlich kennen wir uns gar nicht richtig – sie ist eine dieser Small-Talk-Bekannschaften, die sich noch nicht zu einer richtigen Freundschaft entwickelt haben, aber dennoch mehr als nur Hallo & Auf Wiedersehen sind. Solche, die man auf jeder Party und in den großen Runden wiedertrifft, aber nie auf die Idee kommen würde, sich zu einem One-to-One Treffen zu verabreden – weil der Kontakt schlichtweg noch nicht richtig besteht, sondern immer nur über Dritte erfolgt. Und dennoch sitzen wir jetzt beide hier zu 2. im Treibhaus in Innsbruck und nippen aus Geldmangel an unseren längst ausgetrunkenen 1-€-Sodas und decken eine Gemeinsamkeit nach der anderen auf.

Ich weiß nicht, wie es zu dem Treffen gekommen ist. Ich weiß, dass wir gerade denselben dumpfen Schmerz erleben und das wiederum dazu geführt hat, dass wir uns gegenseitig im Blickfeld hatten. Und während wir weiter über Gott und die Welt diskutieren wird mir bewusst, wie gut die Entscheidung war, mich nicht aus der Affäre zu ziehen, mich nicht im Zimmer zu verstecken und weiter vor Einsamkeit zu vergehen. Und irgendwie weiß ich, dass sie vermutlich dasselbe denkt. Erst als es dunkel wird verabschieden wir uns – und das auch nur, weil sie mit dem Fahrrad unterwegs ist und mehr oder weniger im Ghetto wohnt und wir beide am nächsten Tag schon Morgens auf die Uni müssen. „Wir sollten das unbedingt wiederholen“, schlage ich vor. Es ist keine dieser Halb-Wahrheiten, weil man den Kontakt irgendwie nett findet und das deswegen aus Höflichkeit vorschlägt, einfach um es gesagt zu haben. Es ist mein voller Ernst. Und ich freue mich umso mehr, als sie es nicht minder begeistert für eine großartige Idee hält. Aus diesem Grund zögern wir auch gar nicht lange und verabreden uns für die kommende Woche – gleicher Ort, gleiche Zeit. Und als sie sich dann auf ihr Fahrrad schwingt und ich mich zu Fuß nach Hause begebe, komme ich nicht umhin ein wenig verstohlen in die Dunkelheit zu grinsen.

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Es ist beinahe wie bei einem ersten Date und doch fast noch mehr von Bedeutung, weil so viel mehr passieren und daraus entstehen könnte – aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zu dem Zeitpunkt, als ich mich von dem dunkelhaarigen Mädchen in Innsbruck verabschiede, ist mir noch nicht mal annähernd bewusst, welche Rolle sie irgendwann spielen wird. Ich weiß nicht, dass sich das Treibhaus zu unserem Stammlokal entwickeln werden wird und dass ich ihr irgendwann meine dunkelsten Geheimnisse verraten werden. Ich weiß noch nicht, dass wir uns 2 Jahre später weinend in den Armen liegen werden, weil ich nach Wien (und damit rund 600 km weit weg) ziehe. Ich weiß noch nicht, dass sie irgendwann meine Seelenverwandte sein wird und damit eine der wenigen Personen, deren Meinung über alles geht und die ich in jede Entscheidung miteinbeziehe. Aber ich weiß, dass da etwas ist. Das uns irgendetwas verbindet. Und das ich sie unbedingt fragen muss, woher sie ihren cognacfarbenen Schal hat.

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6 Comments

  • 2 Jahren ago

    Wow, so schöne und vor allem wahre Worte! Da muss ich sofort an meine besten Freunde denken und an die Anfänge unserer Freundschaften.
    Alles Liebe,
    Jana

  • Vanessa
    2 Jahren ago

    Danke für die schönen Worte, meine Liebste. Ohne dich wäre mein Leben nur halb so schön und wie ich gerne zu sagen pflege: „Distance means so little when someone means so much.“

  • 2 Jahren ago

    Das ist ja unglaublich schön, diese Geschichte!!! So eine Situation kommt nicht so oft vor… Wahre Freundschaft!

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