Ein Blick zurück

„Und damit sehen wir uns nächste Woche.“ Mit diesen Worten beendet der Dozent, der wie ich seine Wurzeln in Vorarlberg hat, den Kurs „Mittelhochdeutsch“ und alle Studenten im Raum – mich eingeschlossen – klopfen zum Abschied mit der geballten Faust auf den Tisch. Während die anderen um mich herum langsam ihre Materialien zusammenpacken und sich noch angeregt unterhalten, habe ich meine sieben Sachen bereits 5 Minuten vor Kursende gepackt und verabschiede mich jetzt hastig von meiner Studienkollegin. Neben meinem großen Shopper habe ich auch meinen kleinen Reisekoffer dabei. Wie jeden Donnerstag blicke ich noch kurz auf die Uhr und stelle nervös fest, dass mein Zug in weniger als 30 Minuten aus dem Bahnhof in Innsbruck Richtung Vorarlberg losfährt. Und damit haste ich wie von der Tarantel gestochen los. Bereits jetzt seufze ich über die Tatsache, am Montag wieder zurückkehren zu müssen. 
Zwei Jahre lang war das meine wöchentliche Routine: Montag Nachmittag ging es nach Innsbruck um zu studieren, Donnerstags nahm ich die erstbeste Gelegenheit war, um zurück nach Vorarlberg zu fahren und mit Freund, Freunde & Familie zusammen zu sein. Bis ich mich im Jahr 2012 gegen das Leben in Innsbruck und für Wien entschieden habe – und ihr wisst, ich habe es keine Sekunde lang bereut. Innsbruck und ich, dass war von Anfang an nicht das Richtige. Und dennoch kam ich nicht umhin, irgendwie wehmütig aus dem Fenster zu starren, als am Freitag mein Zug auf dem Weg ins Ländle in Innsbruck Halt machte. Wie oft ich an diesem Bahnsteig stand und einfach nur fliehen wollte – von dem Ort, den ich zwanghaft versucht habe, als mein Zuhause zu betrachten. Das ich alles bereue wäre definitiv gelogen, immerhin gab es in der Zeit und gibt es auch viel Gutes in Innsbruck – und dennoch, lächle ich befreit vor mich hin, als der Zug wieder aus dem Innsbrucker Bahnhof fährt und ich die Stadt, wie früher so oft, hinter mir lasse.
One of my favorite things in live: TRAVEL!
TRAVEL to Berlin
TRAVEL again. This time: home sweet home

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2 Comments

  • like a hobo*
    3 Jahren ago

    Ich freue mich, dass du in Wien eine zweite Heimat gefunden hast :) So gehts mir auch. Aber sobald es wieder Richtung Zuhause geht, aufs Land in NÖ, freue ich mich, wenn ich im Zug sitze und die Heimreise endlich losgeht :)

  • Anonymous
    3 Jahren ago

    Oh das kann ich nur zu gut verstehen! Ich habe zwar nie selbst in IBK studiert, aber als waschechte Vorarlbergerin kenne ich natürlich einen Haufen Leute, die dort sind. Und schon als wir mit der Maturaklasse die Uni in IBK besucht haben, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass mir diese Stadt zu klein ist. Die Luft abschneidet. Mit den all den Bergen rundum ja auch kein Wunder – so schön es dort auch sein mag. Also ich kann dein Gefühl bestens nachempfinden und freue mich, dass auch du in Wien ein schöne(re)s Zuhause gefunden hast :)

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