Des Zufalls Glück

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Mein Name ist Denise, ich bin 24 Jahre alt und lebe derzeit in Wien. Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen, mir hat es nie an etwas gefehlt. Zumindest nicht wirklich.

Meine Eltern sind nicht reich, aber definitiv auch nicht arm – sie haben stets hart gearbeitet und wurden dementsprechend entlohnt und meine Geschwister und ich von ihnen geliebt und sehr gut versorgt. Ich bin in einem Haus mit Garten groß geworden, durfte mir meine Schulen aussuchen und hatte generell eine sorgenfreie Kindheit und eine lebhafte Jugendzeit. Ich habe das Glück, eine wunderbare Erziehung genossen zu haben: Ich behaupte zu wissen, was richtig und was falsch ist und noch besser weiß ich, dass man sich seine Träume hart erarbeiten muss – das nichts für selbstverständlich genommen werden sollte. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich die Schule weiterhin besuchen durfte, meine Matura abgeschlossen habe und anschließend das studieren konnte, was immer ich wollte. Sogar Geisteswissenschaften, was eher als brotlos gilt (keine Sorge Mama, bisher läuft alles rund). Ich habe Verlust in meinem Leben erfahren, aber auch sehr viel Freude. Mein Alltag besteht grob gesagt aus den mir liebsten Menschen, meiner Arbeit, meinem Studium und meinem Blog – und erst vor wenigen Wochen wurde mir auch wirklich wieder bewusst, dass auch das nicht selbstverständlich ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich in einem Land lebe, dass derzeit nicht von Krieg zerfressen und vom Tod heimgesucht wird. Es ist pures Glück.

Genauso hätte das Schicksal sich umentscheiden können. Genauso könnten meine Familie und ich heute vor dem Nichts stehen. Könnte ich ohne meine Familie dastehen und müsste um Hilfe und Sicherheit bitten. Ich möchte es mir ehrlich gesagt nicht einmal ausmalen müssen – das Leid, die Not und Gefahr und die Hoffnungslosigkeit. Mir geht es gut. Ich musste noch nie um mein eigenes Leben bangen, war noch nie (nicht einmal ansatzweise) der großen Gefahr des Krieges ausgesetzt und kann schon seit ich denken kann gelinde gesagt nur den Kopf über jene schütteln, die scheinbar die dunklen Kapitel unserer eigenen Geschichte auf die leichte Schulter nehmen. Heute wird mir vor allem kotzübel, wenn ich Kommentare solcher User online lese oder offline hören muss. Abgelegt unter dem Schutzmantel des Patriotismus und der Heimatliebe und dem Wohl „seiner Kinder, seiner Bewohner“ wird gehetzt, gemutmaßt und scheinbar auch an Menschlichkeit vergessen. Man muss kein perfekter Gutmensch sein, um eine helfende Hand zu reichen. Du musst nicht dein letztes Hemd geben, um anderen in Not zu helfen. Anteilnahme, Erbarmen und Mitgefühl sind ein erster Schritt, alles was danach kommt: Umso besser.

Mein Name ist Denise, ich bin 24 Jahre alt und lebe derzeit in Wien. Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen, mir hat es nie an etwas gefehlt. Ich hatte des Zufalls Glück.

#refugeeswelcome


Österreich gehört zu den reichsten Ländern der Welt und dennoch werden die Zustände in den Flüchtlingslagern immer schlimmer, die Lage eskaliert immer mehr und scheint aus den Fugen zu geraten. Dazu kommt eine Stimme (online und offline), bei deren Erhebung man sich Sorgen machen muss und mir inzwischen regelrecht schlecht wird – über die fehlende Empathie, den Hass und auch die Unwissenheit. Ganz zu schweigen von den Vorurteilen. Ich musste mich auskotzen. Ich möchte nicht still sein. Genauso wie Maddie, die Kuchenbäckerin (AMEN!), Ju und zum Glück noch viele mehr.

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3 Comments

  • 2 Jahren ago

    Mein Name ist Simone, ich bin 21 Jahre alt und lebe derzeit in Wien. Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen und meine Eltern haben immer alles dafür getan, dass ich behütet aufwachse, mir den Weg in eine gute Zukunft geebnet und alle meine Entscheidungen bestärkt und unterstützt. Vielen muss erst bewusst werden, dass auch die Eltern all dieser Flüchtlinge versucht haben, dass für ihre Kinder zu tun, was unsere Eltern für uns getan haben. Nur ist das nicht so toll, wenn man nicht mal weiß, in welchem Land seine eigenen Kinder gerade sind und ob es ihnen gut geht, ja ob sie überhaupt noch leben…. :(
    Danke für deine Worte <3

    • 2 Jahren ago

      Danke für deinen tollen Beitrag!

  • 2 Jahren ago

    Wahre worte, deine Sicht der Dinge ist leider nicht sehr verbreitet.

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