A 20something’s Guide to Life

20smthg1Erst letztes Wochenende musste ich voller Schrecken auf’s Neue feststellen: Ich bin wirklich alt geworden. Dabei bin ich gerade mal in den berühmten Mid-Twenties und hab – wie es so schön heißt – „mein ganzes Leben noch vor mir“ und stehe jetzt in der absoluten Blüte davon. Zumindest sagt man das so. Vielleicht ist gerade das der Grund dafür, weswegen mir mulmig wird, wenn ich einen vorsichtigen Blick auf mein Alter werfe. Vor 10 Jahren wusste ich nämlich zu 100%: Mit 24 Jahren bin ich definitiv erwachsen. Stehe mit beiden Beinen fest im Leben, bin unabhängig und erfülle mir all meine Träume one by one. Die Realität sieht jedoch etwas anders aus. Die grausame Wahrheit ist: Mit Mitte 20 stehst du nicht mit beiden Beinen fest im Leben, viel mehr gleicht es einem Balanceakt auf einem Einrad – während du mit Messern jonglierst. Zumindest fühlt es sich des Öfteren so an – so befindest du dich zu dieser Zeit in einer stetigen Schwebe zwischen Kind bleiben und Erwachsener sein. Viele beenden in diesem Alter gerade ihr Studium und fassen Fuß in der Berufswelt, andere entschließen sich zu ersten großen Investitionen wie beispielsweise dem Kauf der eigenen Wohnung und wieder andere versuchen alles gleichzeitig zu meistern. Generell ist alles ständig in Bewegung, die Zeit rinnt dir geradezu durch die Finger und ehe du dich versiehst, stehst du vor der großen Unbekannten, die sich Leben nennt. Und die Änderungen sind von gewaltigem Ausmaß – kein Wunder, dass man heute auch von einer Quarterlife Crisis spricht.


Du beginnst plötzlich, dich für dein Wohlbefinden zu interessieren. Statt Limonade gibt es Wasser, der Junkfood-Konsum wird auf ein mögliches Minimum reduziert (meist auf das eine Mal nach dem einen Mal wo du bis in die Morgenstunden feiern warst und die Eitrige einfach zu himmlisch aussieht) und du kennst jedes Superfood, das es auf dieser Welt gibt. Weil du erste Falten erkennen kannst und es aber nicht schaffst, deine Mimik weniger eifrig zu nutzen, stehen bei dir auch schon erste Cremchen dafür im Bad. Versuchsweise (oft ohne Erfolg) übst du dich auch im Austausch des schwarzen Goldes und zur Sicherheit testest du dich auch noch durch die rigorose Anti-Kuhmilch-Landschaft. Vorsorge heißt die Devise!


Dein Hangover dauert 2-3 Tage. Wenn wir gerade beim Feiern sind: Solltest du dich einmal dazu aufringen können, wird die Nacht zwar bombastisch – dein Kater wird es aber auch sein. Längst vorbei sind die Zeiten, wo du wie ein junges Reh nach einer durchzechten Nacht durch den Tag getanzt bist. Von den grausamen Eingebungen, die dich nach und nach von deiner peinlichen Eskapade tagsdarauf einholen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Dennoch schön zu sehen, dass du das beklemmende Gefühl erfolgreich ignorieren konntest, dass du mit Abstand der älteste unter dem feierwütigen Volk warst.

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Du bist Entscheidungsträger. Und musst mit den Konsequenzen leben. Von den kleinen bis zu den ganz großen: Jetzt triffst du alle Entscheidungen selbst. Welcher Internetanbieter soll es werden? Welche Putzmittel brauchst du? Wie heiß soll man das Bügeleisen einstellen? Wie viel Prüfungen schaffst du in diesem Semester? Welche Versicherung ist wirklich notwendig? Wen wählst du? Und wo zur Hölle findet man einen guten Zahnarzt, der dich am besten immer an die nötigen Termine erinnert? Egal was – du entscheidest. Du musst aber auch die Konsequenzen in Kauf nehmen – auch wenn das heißt, für einen Monat von Nudeln zu leben, weil der letzte Besuch bei Mango das Konto in die roten Zahlen getrieben hat.


Du fühlst dich einsam. Es geht nicht darum, dass du depressiv oder melancholisch bist. Aber es gibt Tage, da fühlst du dich einfach allein – auch inmitten einer Gruppe von Menschen. Deine besten Freunde wohnen grundsätzlich alle in einer anderen Stadt (oder auf einem anderen Kontinent), Arbeit und Studium treiben dich gerade bis zum Äußersten und dann entdeckst du zu Hause auch noch, dass der Kaffee alle ist. Und wenn dann noch die Strom- & Gasnachzahlung ins Haus flattert, bist du am Ende. Keine Sorge, du überlebst es und kannst alles auf eigene Faust meistern. Es ist aber dennoch ein Schlag in die Magengrube und es empfiehlt sich, den ein oder anderen Schnaps daheim zu haben. Just to be sure.


Du nimmst Züge an, die dir als Kind suspekt vorgekommen sind. Obwohl du es nicht erwarten konntest, dein kleines Dorf gegen die große Stadt einzutauschen, bist du inzwischen nicht nur angetan, sondern regelrecht begeistert von Baum und Wiese. Die Natur gibt dir Ruhe und du beginnst, die Momente im Grün zu genießen. Und auch wenn du kleine Kinder und Babys noch mit einer gewissen Skepsis betrachtest, kommst du nicht umhin, dir vorzustellen wie du dich als Mutter bzw. Vater anstellen würdest. Dennoch, die Tatsache, dass plötzlich alle um dich herum heiraten und Kinder kriegen, lässt dich nervös zusammenzucken. So alt bist du dann doch wieder nicht.

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21 Comments

  • 2 Jahren ago

    oh jaaa das mit dem Hangover kenne ich. deswegen trinke ich auch nur mehr seeehr selten Alkohol!

    xx
    Vicky / http://www.thegoldenbun.com

  • Dany S.
    2 Jahren ago

    same here! Genau so ist es, präzise auf den Punkt gebracht! Und auch wenn es einen anfangs erschreckt, ist es doch gut und schön zu wissen, dass man damit nicht alleine steht! <3 lg

  • Danyplusvienna
    2 Jahren ago

    Leider muss ich dir vollkommen recht geben! Der Kater ist wirklich das Schlimmste. Außerdem überlegt man jetzt 5 Mal, ob man wirklich ausgehen will. Die Stunden am Wochenende sind so kostbar und da will man eigentlich nicht nur verkatert „umherdum“ liegen.

    Super Blogbeitrag!!

    • 2 Jahren ago

      Genau :D Vielen Dank für die lieben Worte! :)

  • 2 Jahren ago

    Man hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können! Danke für diesesn Beitrag – er spricht mir aus der Seele.

    Liebe Grüße
    Luise | http://www.just-myself.com

  • 2 Jahren ago

    So ein toller Post! Ich bin zwar erst „junge 21“ erkenne mich da drin aber trotzdem wieder. Ich frag mich ja heute zum Beispiel auch wie ich es schaffen konnte jede Woche Do,Fr,Sa weg zu gehen? Jetzt hab ich schon nach ein paar Gläschen Wein einen Kater & Lust so viel zu feiern hab ich erst recht nicht :D Wirklich schlimm – man wird ja viel zu schnell erwachsen, oder?

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com

    • 2 Jahren ago

      Wem sagst du das ^^ – die Zeit vergeht viel zu schnell!

  • Du sprichst mir aus der Seele :D Bin letzte Woche 28 geworden und komm mir in manchen Dingen „alt“ vor, für vieles aber auch noch zu „jung“ – haha. Wird sich vermutlich wohl nie ändern ;-)
    Liebe Grüße, Christine

  • 2 Jahren ago

    Haha, da hab ich mich wirklich in fast allen Punkten wiedererkannt :D Vor allem die ersten beiden, ohje…

  • 2 Jahren ago

    Du hast absolut recht – ich musste an mehreren Stellen echt lachen… Vor allem den Schlusssatz finde ich gut. Ein weiterer Punkt wäre für mich, dass man sich doch öfter dabei ertappt, dass man so ein bisschen wird wie seine Eltern… :D
    xx Sabine

  • 2 Jahren ago

    Ist halt echt so :D
    Meine Freundinnen sind alle ein paar Jahre jünger und wo die noch fit feiern, geb ich schon auf :D
    Die andren, die richtig engen Mädels sind dann ewig weit weg, am besten noch in ner andren Zeitzone und wenn man sie gerade erreichen will, aber nicht kann, fühlt man sich schon mal wie der einsamste Mensch der Welt.
    Aber eins hat man mit Mitte 20 dann auch irgendwann gelernt: Es geht alles vorbei. Und wird wieder gut :)
    Alles Liebe,
    Kathi

  • 2 Jahren ago

    Bei deinem ersten Satz musste ich erstmal richtig loslachen:“…. Ich bin wirklich alt geworden.“ Aber mir geht es genauso. Die 30 marschiert munter auf mich zu, ich frage mich, was ich bisher eig. schon erreicht habe und was ich noch alles machen will. Und irgendwie rennt die Zeit unaufhörlich an einem vorbei… Ist das die Quarter-Life-Crisis von der alle sprechen? :P
    Übrigens, ich liebe deinen Schreibstil :)
    Alles Liebe,
    Sarah
    http://www.liebreizend.com

    • 2 Jahren ago

      Ich glaube schon, zumindest geht’s mir auch so :D
      Vielen lieben Dank! :)

  • Susanne
    2 Jahren ago

    Hach das ist so wunderbar wahr! :D
    Auf einmal ist das Studium aus, man will arbeiten, man will reisen, man will Geld und Abenteur….
    Aber man muss auch dazu sagen (ohne wehmütig zu werden) – genau so muss es wohl sein, denn wann sonst (außer in den 20ern) hat man diese Freiheit einfach seinen Träumen zu folgen :)
    Ich zumindest hoffe, oder wünsche mir, dass ich irgendwann zurückblicke und mir denke: Es war chaotisch und nicht leicht, aber ich würde alles wieder genauso machen! :)

  • 2 Jahren ago

    … ich wusste gerade nicht, ob ich weinen oder lachen soll, als ich dieses Post gelesen habe xD… Letztens hab ich irgendwo einen post gesehen mit „20 year old grannies“ oder so xD das fand ich auch schon so lustig, weil dann auch noch so Situationen beschrieben waren wie „ihr wollt feiern gehen und du freust dich heimlich, als deine Freundin dir absagt und du in deinem Pyjama bleiben kannst“ oder so xD

    Zum Hangover: Oh gott, ich habe mich gerade mit einer Freundin darüber unterhalten sogar… früher sind wir ja an einem Wochenende 2x feiern gegangen und mittlerweile kriege ich zum „feiern“ richtig mit club pipapo und alkohol meinen Arsch vielleicht einmal in einem halben Jahr hoch….. weil wir lieben daheim auf der Couch von freunden chillen oder auf irgendwelche Feste nur bis maximal 12 Uhr gehen xD

    Auf jeden Fall hat unser Nachbar vor Kurzem zu Mojitos eingeladen und ich hab wirklich nicht viel getrunken (vertrage auch nixmehr wie früher)….. hauptsache danach bin ich erstmal gnadenlos krank gerworden mit fieber pipapo (ok, war vorher schon angesteckt vermutlich, aber im Kontext „trinkt was und wird direkt krank) war das schon echt witzig…

    Was die Einsamkeit angeht ist mir aufgefallen, dass es mir total fehlt einfach mal so eine „girlsnight“ zu machen – also so richtig mit übernachten und die Nacht durchschwatzen……obwohl das eigentlich so einfach wäre!!

  • 2 Jahren ago

    ach wie wahr…schöne eine vom Ländle hier im www zu Treffen ;) liebeGrüße Jen

  • 2 Jahren ago

    Ein wunderschöner Beitrag, der mich zum Schmunzeln gebracht hat, weil so ziemlich alle Gedanken die du geäußert hast auch auf mich zutreffen :) Vor allem der Punkt mit der Natur am Land (bin auch ein Landkind das in die Stadt gezogen ist) und dem Ruhebedürfnis, da kann ich mich total damit identifizieren haha ;) Alles liebe <3

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